14.4.2005, 7:55 Uhr
Schlechtere Pflanzenqualität durch mehr CO2?

Nicht nur durch den Treibhauseffekt könnte der steigende Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre zu starken Veränderungen in den irdischen Ökosystemen führen. Das zeigen groß angelegte Begasungsversuche Braunschweiger Forscher. Wachsen Pflanzen unter erhöhten CO2-Gehalten, sinkt demnach ihr Nährstoffgehalt.

Über feine Öffnungen in der Blattoberfläche nehmen Pflanzen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Dabei verlieren sie allerdings auch Wasser. Höhere CO2-Gehalte sollte daher den Wasserverlust reduzieren und so ein rascheres Pflanzenwachstum ermöglichen. Um mehr über diesen "Düngeeffekt" und seine Auswirkungen zu erfahren, führen Hans-Joachim Weigel von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, Braunschweig, und seine Kollegen seit einigen Jahren ein Begasungsexperiment durch, bei dem neben dem CO2-Gehalt der Luft auch die Stickstoffdüngung variiert wird.

Foto: Versuchsfeld mit einer ringförmigen Begasungsanlage

Versuchsfläche mit einer der ringförmigen Begasungsanlagen. Foto: Manderscheid, FAL-AOE

Dem tendenziell positiven Wachstumseffekt erhöhter CO2-Konzentrationen steht demnach auch ein negativer Effekt gegenüber. Wuchsen die Futterpflanze Weidelgras und verschiedene Getreidearten bei CO2-Gehalten von über 550 ppm, sank der Stickstoffgehalt des Grases und der Getreidekörner - und damit auch der Rohproteingehalt - um 8 bis 15 Prozent. Das Ausmaß des Rückgangs variierte mit der untersuchten Art und den Anbaubedingungen. Lediglich Weißklee reagierte nicht mit einem verringerten Stickstoffgehalt.

Nach Ansicht der Forscher lassen sich aus diesen Resultaten mögliche Konsequenzen für die Landwirtschaft und für die irdischen Landökosysteme ableiten. Eine Veränderung des pflanzlichen Stickstoffgehalts könnte Wachstum, Überdauerung und Ausbreitung von Pflanzenfressern und anderen Schädlingen beeinflussen. Zudem könnte sich die Geschwindigkeit ändern, mit der abgestorbene Pflanzenteile im Boden zersetzt und die in ihnen enthaltenen Nährstoffe freigesetzt werden.


Forschung: Hans-Joachim Weigel, Institut für Agrarökologie, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, Braunschweig; und andere

Veröffentlichung u.a. in Pedosphere

WWW:
Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft
- Das Braunschweiger Kohlenstoffprojekt
Stoffkreisläufe
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