18.4.2005, 12:15 Uhr
Skipisten schaden der Vegetation
Um Skifahrern stets optimale Bedingungen bieten zu können, werden immer mehr Skipisten aufwändig präpariert bzw. erst mit Kunstschnee angelegt. Dieser Prozess geht an der empfindlichen Gebirgsflora nicht spurlos vorüber, belegt nun eine systematische Untersuchung in zwölf Skigebieten der Schweizer Alpen. Gerade das maschinelle Einebnen des Schnees beraubt die Hänge langfristig ihrer pflanzlichen Befestigung.
An den entsprechenden Hängen ist fünfmal mehr bewuchsfreie Bodenfläche zu finden als auf nicht maschinell geebneten Pisten, berichten Sonja Wipf vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SFL) und ihre Kollegen im "Journal of Applied Ecology". Der Effekt war selbst dann noch nachweisbar, wenn die maschinelle Bearbeitung dreißig Jahre zurücklag und zwischenzeitlich neue Pflanzen angesät worden waren.
Auch der immer stärkere Einsatz von Kunstschnee wirkt sich auf die Vegetation aus, fanden die Forscher. Noch im Schnee bzw. spät blühende Arten sind auf beschneiten Flächen deutlich häufiger geworden, während Frühblüher unter der verzögerten Schneeschmelze leiden. Ein weiterer Faktor ist laut Wipf und Kollegen, dass Kunstschnee aus Fluss- und Seewasser hergestellt wird und damit mehr Mineralien und andere Verbindungen enthält als Naturschnee.
Insgesamt wuchsen an Skihängen elf Prozent weniger Pflanzenarten als an abseits gelegenen Hängen, so die Forscher. Ihrer Ansicht nach sind die neuen Resultate umso wichtiger, als immer mehr Skigebiete angesichts steigender Temperaturen Hänge in größeren Höhen erschließen und zunehmend Kunstschnee einsetzen. "Wir empfehlen daher, Umweltschutz-Ziele für die Bewirtschaftung von Skigebieten festzulegen", schreiben Wipf und Kollegen. Beispielsweise sollte die vorhandene Vegetation erfasst werden, bevor die Nutzung einer Fläche als Skipiste intensiviert werde. Besonders wertvolle Flächen sollten gänzlich von der Nutzung ausgeschlossen werden.
Forschung: Sonja Wipf, Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF); und andere
Veröffentlicht in Journal of Applied Ecology, Vol. 42(2), pp 306-16
WWW:
Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung
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