11.4.2005, 13:55 Uhr
Zwiebeln gegen Knochenschwund?
Zwiebeln schmecken nicht nur gut, sie könnten vielleicht auch gegen Osteoporose helfen. Schweizer Forscher haben einen Inhaltsstoff des Gemüses entdeckt, der im Laborversuch die Aktivität von Knochensubstanz abbauenden Zellen hemmt. Ihre Resultate präsentieren sie im "Journal of Agricultural and Food Chemistry".
Die Gruppe um Rudolf Brenneisen von der Universität Bern studierte junge Ratten. Die Tiere hatten in den ersten Lebenswochen Tetracyclin erhalten, ein vom Körper in der Knochensubstanz abgelagertes Antibiotikum. Erhielten die Tiere mit der täglichen Futterration ein Gramm Küchenzwiebel (Allium cepa), schieden sie nach Absetzen des Antibiotikums sehr viel weniger davon mit dem Urin aus als Altersgenossen, die reguläres Futter erhielten. Offenbar lief der Abbau von Knochensubstanz bei ihnen langsamer ab.
Durch aufwändige Analysen und Versuche an Zellkulturen konnten Brenneisen und Kollegen den verantwortlichen Inhaltsstoff identifizieren. Dabei handelt es sich um das kurze schwefelhaltige Peptid gamma-Glutamyl-S-propenylcysteinsulfoxid (GPCS). Je mehr GPCS die Forscher in Kulturen mit Knochen abbauenden Rattenzellen gaben, desto weniger rege fraßen sich diese Osteoklasten in Elfenbeinscheibchen hinein.
Kein anderer der untersuchten Zwiebel-Inhaltsstoffe habe eine ähnliche Hemmwirkung entfaltet, schreiben die Forscher. Daher sei der im Fütterungsversuch beobachtete Effekt vermutlich allein dem GPCS zuzuschreiben. Auf welche Weise das Peptid den Knochenabbau bremse und ob es das auch beim Menschen tue, müsse in weiteren Studien untersucht werden.
Forschung: Herbert A. Wetli, Rudolf Brenneisen und Roman C. Mühlbauer, Forschungsgruppe Phytopharmakologie, Bioanalytik & Pharmakokinetik und Forschungsgruppe Knochenbiologie, Departement Klinische Forschung, Universität Bern; und andere
Vorab-Veröffentlichung Journal of Agricultural and Food Chemistry, DOI 10.1021/jf040457i S0021-8561(04)00457-1
WWW:
Departement Klinische Forschung, Uni Bern
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