11.4.2005, 15:56 Uhr
Meeresräuber: Wachwechsel auf hoher See

Die intensive Befischung der Weltmeere hat deutliche Veränderungen im Nahrungsnetz zur Folge. Das berichten zwei kanadische Meeresbiologen im Fachblatt "Ecology". Indem Haie, Thunfische, Marline und andere Räuber der Hochsee immer seltener werden, springen kleinere Arten in die Bresche, können diese aber nicht ausfüllen.

"Die bedeutendste Konsequenz aus vielen Jahren industrieller Fischerei ist eine Neuordnung des Ökosystems", sagt Ransom Myers von der Dalhousie University im kanadischen Halifax. "Dadurch steigt die Zahl kleiner Fische, die wir nur ungern verspeisen." An die Stelle von Gelbflossen-Thunfischen und anderen begehrten Arten träten nun immer häufiger Stechrochen.

Myers und sein Student Peter Ward untersuchten, welche Veränderungen sich seit Beginn der Industriefischerei vor gut 50 Jahren im tropischen Pazifik eingestellt haben. Dazu analysierten die Forscher Daten über Größe und Häufigkeit unterschiedlicher Hochseefische in einem über 15.000 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Hawaii im Norden und den Fiji-Inseln im Süden. Demnach sind die Bestände der großen Räuber nicht nur um über 80 Prozent eingebrochen, die gefangenen Tiere werden auch immer kleiner.

Beispielsweise Blauhaie hätten in den 50er-Jahren im Schnitt 52 Kilogramm auf die Waage gebracht, so Ward und Myers. In den 90er-Jahren seien es nur noch 22 Kilogramm gewesen. Ähnlich sei es dem Schwarzen Marlin und anderen Arten ergangen, sodass die Biomasse großer Raubfische insgesamt auf ein Zehntel des Ausgangswertes gesunken sei. Umgekehrt hätten kleinere und einst eher seltene Arten wie Stechrochen und Schlangenmakrele merklich zugelegt. Was Biomasse und kommerziellen Wert darstelle, könnten sie ihren Vorgängern allerdings nicht das Wasser reichen.


Forschung: Peter Ward und Ransom A. Myers, Department of Biology, Dalhousie University, Halifax

Veröffentlicht in Ecology, Vol. 86(4), pp 835-47

WWW:
Homepage Ransom Myers
- The Global Shark Assessment
Blauhai, Marline und Verwandte
Paradiese für Meeresräuber

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