12.4.2005, 13:29 Uhr
Wenn Sternwinde kollidieren

Kommen sich zwei Sterne nahe, fliegen zumindest im übertragenen Sinne die Funken. Das berichtet eine internationale Astronomengruppe im "Astrophysical Journal". Die Forscher beobachteten ein Binärsystem, in dem der starke Wind eines Sterns auf den eines anderen trifft. Resultat ist eine intensiv strahlende, langsam rotierende Zone zwischen den einander umkreisenden Sternen.

Grafik: Die einander umkreisenden Sterne, Schnappschüsse der Strahlungsintensität zwischen ihnenSean Dougherty vom Herzberg Institute for Astrophysics in Penticton, British Columbia, und seine Kollegen studierten das Sternenpaar WR 140. Einer dieser Sterne ist ein Riese von gut 50 Sonnenmassen und sendet einen intensiven Strom geladener Teilchen aus. Sein Partner, ein so genannter Wolf-Rayet-Stern, bringt es zwar nur auf 20 Sonnenmassen, antwortet dafür aber mit einem noch kräftigeren Sternenwind.

Dieses Kräfteringen produziert einen spektakulären Effekt, zeigten die Beobachtungen mit dem Very Large Baseline Array (VLBA), einer Nordamerika umspannenden Kette großer Radioteleskope. Zwischen den stellaren Hitzköpfen fanden die Astronomen eine bogenförmige Region, in der die Kollision der geladenen Teilchen intensive Radiostrahlung produziert. Diese Region dreht sich nicht nur langsam, die Intensität der von ihr ausgehenden Strahlung variiert auch, indem sich die beiden Sterne auf einer stark elliptischen Bahn umkreisen und einander unterschiedlich nahe sind.

Aus der Drehung der strahlenden Zone konnten die Forscher wiederum Rückschlüsse über die Orientierung des Binärsystems im Raum, seine Entfernung zur Erde und über die genauen Massen der beiden Sterne ziehen. Besonders interessant seien diese Daten im Hinblick auf den kleineren Partner in dem System, erläutert Doughertys Kollege Mark Claussen vom National Radio Astronomy Observatory in Socorro, New Mexico. Dieser Wolf-Rayet-Stern stehe dieser kurz davor, als Supernova zu explodieren. Die neuen Resultate "werden uns helfen, einige grundlegende Fragen über Wolf-Rayet-Sterne und ihre Entwicklung zu beantworten", ist der Astronom überzeugt.

Grafik: Dougherty et al., NRAO/AUI/NSF


Forschung: Sean M. Dougherty, Dominion Radio Astrophysical Observatory, Herzberg Institute of Astrophysics, National Research Council, Penticton, British Columbia; Mark J. Claussen, National Radio Astronomy Observatory, Socorro, New Mexico; und andere

Veröffentlicht in Astrophysical Journal, Vol. 623, 10. April 2005, pp 447-59

WWW:
Wolf-Rayet Stars
Stellare Winde
Herzberg Institute of Astrophysics
Very Large Baseline Array

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