19.4.2005, 16:43 Uhr
Wo einst die Pole des Mars lagen

Seit seiner Entstehung vor gut 4,5 Milliarden Jahren hat der Mars immer wieder eine Verschiebung seiner Drehachse erfahren. Ein kanadischer Planetenforscher glaubt nun entdeckt zu haben, wo einst die Pole des Planeten lagen. Fünf große Einschlagbecken markieren seiner Ansicht nach den Äquator des Mars zu einer Zeit, als dieser noch von großen Wasserflächen bedeckt sein dürfte. Seine Resultate präsentiert der Wissenschaftler im "Journal of Geophysical Research - Planets".

Die Lokalisierung der Marspole sei damit nicht nur von wissenschaftlichem Interesse, so Jafar Arkani-Hamed von der McGill University in Montréal, Québec. "Indem das Wasser von der Oberfläche verschwand, blieben die Polkappen als bedeutendste Quelle für Wasser, das vermutlich in tiefere Bodenschichten eindrang und dort als Permafrost erhalten ist, unter sich ein mächtiges Grundwasserreservoir." In den einstigen Polgebieten könnten bemannte Marsmissionen daher vielleicht auf reichlich Wasser stoßen.

Topographische Karte des Mars

Topographie des Mars. Karte: NASA-Jet Propulsion Laboratory

Geowissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Drehachse des Mars im Laufe der Zeit stark verschoben hat. Für erste Unwuchten sorgte demnach das Auskristallisieren verschiedener Mineralien im erkaltenden Innern des Planeten. Vulkanausbrüche veränderten zudem die Form des Planeten, etwa indem sie die gut 3.000 mal 4.000 Kilometer große und bis zu 8 Kilometer mächtige Tharsis-Aufwölbung schufen. Hinzu kamen Einschläge großer Asteroiden. Fünf der heute teils aufgefüllten Einschlagbecken - Argyre, Hellas, Isidis, Thaumasua und Utopia - gestatten es laut Arkani-Hamad, die einstige Drehachse des Planeten zu bestimmen.

Alle fünf Regionen liegen auf einem Großkreis, so der Forscher in einem demnächst erscheinenden Artikel. Dies spreche erstens für eine gemeinsame Herkunftsregion der zugehörigen Einschlagkörper und zweitens für die Annahme, dass die Becken einst am Äquator des Mars lagen. Arkani-Hamed hält folgendes Szenario für denkbar: Vor über drei Milliarden Jahren kam ein bis zu 1.000 Kilometer großer Asteroid dem Mars zu nahe und wurde durch dessen Gezeitenkräfte zerrissen. Fünf große Bruchstücke umkreisten die Sonne zunächst auf sehr ähnlichen Bahnen und schlugen dann nach und nach am Mars-Äquator ein. Die Lage des einstigen Südpols berechnet der Forscher zu 30 Grad Süd und 175 Grad Ost.


Forschung: Jafar Arkani-Hamed, Department of Earth and Planetary Sciences, McGill University, Montreal, Quebec

Online-Veröffentlichung Journal of Geophysical Research - Planets, 23. April 2005, DOI 10.1029/2004JE002343

WWW:
Homepage Jafar Arkani-Hamed
Mars
Geologie des Mars

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: