21.3.2005, 14:49 Uhr
Fußball: Einwechseln oft kontraproduktiv

Läuft das Spiel schlecht für ihre Mannschaft, versuchen es Fußballtrainer häufig mit einer taktischen Umstellung. Zwei Bonner Wirtschaftswissenschaftler haben nun ermittelt, dass dieser Schuss erstaunlich oft nach hinten losgeht. Eine offensivere Ausrichtung führt demnach seltener zum Erfolg als das Festhalten an der ursprünglichen Taktik.

"Offensichtlich überschätzen viele Bundesligatrainer bei einem Rückstand die Möglichkeit, durch einen Wechsel zu einer offensiveren Aufstellung noch zum Erfolg zu kommen", erläutert Oliver Gürtler von der Universität Bonn. Gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Grund hatte der Ökonom die knapp 1.700 Einwechselungen der Bundesliga-Saison 2003/2004 und deren Einfluss auf den Spielverlauf analysiert.

Die Forscher bestimmten dazu die Offensivkraft einer Mannschaft, indem sie für jeden Stürmer, Mittelfeldspieler und Verteidiger zwei Punkte, einen bzw. keinen Punkt vergaben. Lag die Gesamtpunktzahl am Ende des Spiels höher als zu Beginn, war der Trainer zwischenzeitlich zu einer offensiveren Taktik übergegangen. Erwartungsgemäß schickten viele Trainer zusätzliche Stürmer auf das Spielfeld, wenn ihre Mannschaft im Rückstand lag. Umgekehrt suchten sie, eine Führung durch mehr Abwehrspieler über die Zeit zu retten.

Der Erfolg dieser Wechsel blieb jedoch aus, berichten Gürtler und Grund demnächst im Fachblatt "Applied Economics Letters". Im Gegenteil: "Trainer, die ihre taktische Ausrichtung beibehielten, konnten in der verbleibenden Spielzeit deutlich häufiger Resultatverbesserungen erzielen", resümiert Gürtler. Nach Ansicht der Forscher sind diese Resultate durchaus auf andere Spielfelder übertragbar, etwa die Börse. Durch ein mäßiges Abschneiden ihrer Portfolios aufgeschreckt, könnten Manager durch übereilte An- und Verkäufe ebenfalls weiteren Schaden anrichten.


Forschung: Christian Grund und Oliver Gürtler, Betriebswirtschaftliche Abteilung II der Universität Bonn

Veröffentlichung in Applied Economics Letters

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