27.6.2005, 19:32 Uhr
Wurmwald an untermeerischen Methanquellen

Eine ebenso bizarre wie faszinierende Lebensgemeinschaft haben deutsche und amerikanische Forscher am Meeresgrund vor Costa Rica entdeckt. Wo Methan aus dem Tiefseeboden austritt, bilden sich dichte Bakterienrasen, die wiederum einen regelrechten Wald von Röhrenwürmern sowie Krebse und Muscheln ernähren.

"Wir kennen diese Röhrenwürmer aus verschiedenen kleinen Vorkommen in unserem Arbeitsgebiet und aus anderen Bereichen, zum Beispiel von mittelozeanischen Rücken", erläutert Warner Brückmann vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel. "In so großer Anzahl und Dichte haben wir sie aber bislang noch nirgendwo beobachtet."

Foto: Blick auf den Wurmwald

Foto: Copyright WHOI/SFB574

Im Rahmen einer zehntägigen Expedition zum pazifischen Kontinentalrand Zentralamerikas unternahmen Brückmann und seine Kollegen regelmäßige Fahrten in die Tiefsee. In der Nähe jener Linie, entlang derer der Meeresgrund unter die Kontinentalplatte abtaucht, entsteht in großen Tiefen Methan und wird schließlich wieder emporgepresst. An submarinen Kuppen und Hangrutschungen tritt es aus dem Sediment aus und lässt einen dichten, weißen Bakterienrasen sprießen.

Bei ihren Fahrten mit dem legendären Tauchboot Alvin stießen die Forscher in 1.000 Metern Tiefe auf eine Ansammlung dicht an dicht wachsender, bis zu 1,5 Meter langer Röhrenwürmer. Dieser gut einen Hektar große "Wurmwald" besiedelt einen Steilhang und lebt von dem Sulfid, das Methan zersetzende Bakterien als Abfallprodukt abgeben. Erstmals konnten auch Tiefseekrebse beobachtet werden, die den Mikrobenrasen direkt abweiden. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte die Oase in der Tiefsee durchaus von praktischer Bedeutung sein. Vielleicht lieferten die spezialisierten Organismen die Inspiration für neue medizinische Wirkstoffe oder biologische Katalysatoren.


Forschung: Warner Brückmann und Ulrike Schacht, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel; Helge Niemann, Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen; und andere

WWW:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
Alvin
Natron zu Erdgas
Asphaltvulkane in der Tiefsee

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