20.6.2005, 12:14 Uhr
Fledermäuse werfen Hirn-Ballast ab

Ein großes Hirn ist mitunter teurer Ballast. Darauf deuten die Untersuchungen einer schweizerischen Biologengruppe hin. Bei Fledermäusen scheint die Gehirnmasse im Laufe der Stammesgeschichte mehrfach geschrumpft zu sein - offenbar, um die Flugkosten zu minimieren.

Bislang sei man meist davon ausgegangen, die Evolution führe automatisch zu einem größeren Gehirn, schreiben Kamran Safi, Marc Seid und Dina Dechmann von der Universität Zürich im Fachblatt "Biology Letters". Das Beispiel der Fledermäuse zeige jedoch, dass je nach Umweltbedingungen der umgekehrte Weg der günstigere sein könne.

Die Forscher analysierten Daten über 104 Fledermausarten. Demnach steigt die Gehirnmasse zwar mit der Körpermasse, der jeweilige Lebensraum spielt jedoch ebenfalls eine Rolle: Im Wald jagende Fledermäuse scheinen für ihre Flugmanöver im Geäst mehr Flügelfläche und auch mehr Gehirnmasse zu benötigen. Pfeilschnelle Jäger des offenen Luftraums weisen dagegen schmale Flügel und - relativ zur Körpermasse - kleinere Gehirne auf. Ein einheitlicher stammesgeschichtlicher Trend zu mehr Hirn war nicht feststellbar.

Hirngewebe benötige viel Stoffwechselenergie und erhöhe gerade bei fliegenden Tieren auch die Fortbewegungskosten, schreiben Safi, Seid und Dechmann. Ihrer Ansicht nach könnte die Reduktion der Gehirnmasse ein genereller Trend in der Evolution sein, sodass man nicht einfach davon ausgehen könne, ein größeres Hirn kennzeichne eine jüngere, weiter entwickelte Art. Diese Annahme "steht womöglich im Zusammenhang mit dem Bestreben, die Größe des menschlichen Gehirns zu erklären".


Forschung: Kamran Safi, Marc A. Seid und Dina K.N. Dechmann, Zoologisches Institut, Universität Zürich

Online-Veröffentlichung Biology Letters, 17. Juni 2005, DOI 10.1098/rsbl.2005.0333

WWW:
Fledermaus-Forschung, Uni Zürich
Chiroptera
Wie auf Krücken: Fledermäuse im Galopp
Senkrechtstart für Fledermäuse

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: