20.6.2005, 8:01 Uhr
Holzpilze für Wohlklang

Holz zersetzende Pilze können die akustischen Eigenschaften von Holz verbessern. Das haben schweizerische Materialforscher herausgefunden. Indem bestimmte Pilze die Dichte des Holzes verringern, nicht jedoch seine Festigkeit, verleihen sie ihm echte Stradivari-Qualitäten.

Die Geigen des italienischen Instrumentenbauers verzaubern noch heute Musikliebhaber auf der ganzen Welt. Woher ihr einzigartiger Klang rührt, ist immer noch nicht vollständig geklärt. Einige Experten vermuten, das Geheimnis liege in den Rezepturen für Lacke und Grundierungen. Mit Sicherheit spielt auch das Klima eine Rolle: Das von Stradivari verwendete Holz wuchs während der "kleinen Eiszeit" besonders gleichmäßig, mit engen Jahresringen, und besitzt eine extrem geringe Dichte.

Foto: Verpilztes Holz

Foto: EMPA

Francis Schwarze von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in St. Gallen und seine Kollegen haben nun einen Weg gefunden, diese Eigenschaften zu reproduzieren. Holz zersetzende Pilze greifen die Zellwand-Zellulose an, reduzieren so die Dichte des Materials und verbessern damit die Schallabstrahlung. Allerdings mussten die Forscher zunächst jene Pilze identifizieren, die nicht gleichzeitig auch die Schallgeschwindigkeit im Holz und seine Biegesteifigkeit reduzieren - für den Instrumentenbau ebenfalls kritische Parameter.

Über Monate züchteten die Holzforscher verschiedene Pilzarten, infizierten damit kleine Holzbrettchen und lagerten die Proben in Klimakammern unter feuchtwarmen Bedingungen. In regelmäßigen Abständen wurden einige der verpilzten Brettchen analysiert. Tatsächlich fanden Schwarze und Kollegen mehrere "Meisterpilze", die das Holz in der gewünschten Weise verändern. Besonders für Ahornholz, im Geigenbau traditionell für die Bodenplatte verwendet, sind die Resultate laut Mitteilung der EMPA vielversprechend. Nun müssen die Forscher ihre zum Patent angemeldete Methode auf größere Holzplatten ausdehnen. Mit der ersten Pilz-Geige sei in zwei bis drei Jahren zu rechnen.


Forschung: Mélanie Spycher und Francis Schwarze, Gruppe Holzschutz/Mikrobiologie, Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, St. Gallen; Martin Schleske, Meisteratelier für Geigenbau, München

WWW:
EMPA
- Abteilung Holz
Holz
Stradivari: Wohlklang dank kleiner Eiszeit?

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