23.6.2005, 13:08 Uhr
Kolibris schweben einzigartig

Wenn Kolibris vor einer Blüte schweben und Nektar saugen, erinnern sie eher an große Insekten. Dennoch weist der Schwebeflug der Vögel weniger Ähnlichkeit mit dem von Insekten auf, als bislang angenommen, berichten drei amerikanische Biologen im Magazin "Nature". Vielmehr kombinieren die Tiere Elemente aus beiden Welten zu einem einzigartigen Flugstil.

"Jahrzehntelang haben die meisten Forscher gedacht, dass Kolibris die gleichen Flugmechanismen wie Insekten aufweisen, von denen einige ebenfalls auf der Stelle schweben und umherflitzen können", so Douglas Warrick von der Oregon State University in Corvallis. "Ein Kolibri ist jedoch ein Vogel, mit der Körperstruktur eines Vogels und all den Fähigkeiten und Beschränken, die das mit sich bringt."

Foto eines schwebenden Kolibris mit eingezeichneten Strömungsvektoren

Schwebender Kolibri mit eingezeichneten Strömungsvektoren. Bild: Oregon State University

Warrick und seine Kollegen filmten Zimtkolibris (Selasphorus rufus), wie sie vor einer künstlichen Nektarquelle schwebten. Die Luftströmung um die rasant auf und ab schlagenden Flügel machten sie dabei mit fein zerstäubten Öltröpfchen sichtbar. Die Auswertung der digital erfassten Tröpfchenspuren zeigte, in welchen Phasen des Flügelschlags die Tiere Auftrieb erzeugten.

Gut 75 Prozent des Auftriebs stammen demnach aus dem Abwärtsschlag und 25 Prozent aus dem Aufwärtsschlag der Flügel, ermittelten die Forscher. Damit stehen die Kolibris zwischen den übrigen Vögeln, deren Auftrieb allein aus dem Abwärtsschlag stammt, und den Insekten, die beide Flügelbewegungen im gleichen Maße nutzen. Erst dieser "gemischte" Flugstil erlaube den Kolibris das Schweben vor einer Blüte und habe ihnen damit eine neue Nahrungsquelle eröffnet, so Warrick. "Es mag nicht der elegante symmetrische Flug eines Insekts sein, aber es funktioniert."


Forschung: Douglas R. Warrick, Department of Zoology, Oregon State University, Corvallis; Bret W. Tobalske, Department of Biology, University of Portland, Oregon; Donald R. Powers, Biology Department, George Fox University, Newberg, Oregon

Veröffentlicht in Nature, Vol. 435, 23. Juni 2005, pp 1094-7

WWW:
Selasphorus rufus
Älteste Kolibris in Deutschland entdeckt

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