23.6.2005, 21:21 Uhr
Größere Inseln, mehr Bakterien

Je größer die betrachtete Fläche, desto mehr unterschiedliche Arten finden sich darauf. Dieses eherne Gesetz der Ökologie trifft auch auf die allerkleinsten Lebewesen zu, berichten britische Forscher im Magazin "Science". Mit der Größe einer Wasserpfütze in einem Baumloch steigt die Zahl der darin lebenden Bakterienarten.

Frühere Untersuchungen hatten vermuten lassen, dass die bakterielle Vielfalt mit der Größe des Untersuchungsgebiets sehr viel langsamer steigt, als man für Tiere oder Pflanzen ermittelt hatte. Im Falle der Baumlöcher ist die Steigung jedoch praktisch identisch, fanden die Forscher um Christopher van der Gast vom Centre for Ecology and Hydrology in Oxford. Dies lasse vermuten, dass die Vielfalt großer und kleiner Lebewesen durch ähnliche Mechanismen bestimmt werde.

Foto eines wassergefüllten Baumlochs

Foto: Copyright Science

Van der Gast und seine Kollegen entleerten das Wasser aus Löchern am Fuße knorriger Buchen (Fagus sylvatica) und ermittelten, wie viele unterschiedliche Bakteriengenome sich darin fanden. Erwartungsgemäß stieg diese Zahl exponentiell mit dem Wasservolumen: In 50 Milliliter großen Pfützen waren es gut sieben, in 10 Liter großen Löchern dagegen 25 verschiedene Bakteriengruppen.

Der Exponent in der Fläche-Diversitäts-Gleichung betrug 0,26 und war damit ähnlich hoch wie bei Untersuchungen der tierischen und pflanzlichen Vielfalt. Die früher festgestellte Diskrepanz führen die Forscher darauf zurück, dass die von ihnen studierten Baumlöcher voneinander isolierte Inseln darstellen. Bei den früheren Untersuchungen seien dagegen zusammenhängende Habitate betrachtet worden, in denen ein rascher Austausch von Bakteriengruppen möglich sei.


Forschung: Thomas Bell und Christopher J. van der Gast, Molecular Microbial Ecology Section und Environmental Biotechnology Section, NERC-Centre for Ecology and Hydrology, Oxford; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 308, 24. Juni 2005, p 1884

WWW:
Centre for Ecology and Hydrology
Species-Area-Relationships

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