28.6.2005, 13:05 Uhr
Radio macht radikal

Wie eine Nachricht verwertet wird, hängt nicht nur von der Information ab, sondern auch von dem jeweiligen Medium. Ein verblüffendes Beispiel für dieses Phänomen haben drei amerikanische Forscher gefunden: Radiohörer vertreten deutlich extremere politische Ansichten als Zeitungsleser oder Internetnutzer.

Der Befund könnte erklären, warum sich die US-Bevölkerung bei Umfragen zunehmend polarisiert zeige, so Wayne Wanta von der University of Missouri, Columbia. Bislang sei dieser Effekt häufig den letzten Präsidentenwahlen zugeschrieben worden. Offenbar spielten konservativ geprägte Radiosendungen einerseits und der große Informationsumfang in Zeitungen andererseits jedoch ebenfalls eine wichtige Rolle.

Wanta und Kollegen analysierten Telefoninterviews mit 2.528 erwachsenen US-Bürgern. Die Teilnehmer wurden dabei zu den Themengebieten Regierung und Religion befragt. Anhand der Antworten ermittelten die Forscher, wie stark polarisiert die Befragten waren, und verknüpften die Werte mit Faktoren wie Einkommen und Nutzung unterschiedlicher Medien als Nachrichtenquelle.

Einige der am wenigsten polarisierten Teilnehmer nutzten das World Wide Web als wichtigstes Informationsmedium. Dabei könnten sich Internetnutzer, ähnlich Radiohörern, unter zahlreichen Quellen jene herauspicken, die ihre Meinung bekräftigen, so Wanta. Offenbar sei ihnen jedoch gerade an einem breiten Informationsangebot gelegen. Und dieses führe letztlich "zu einer größeren Akzeptanz für unterschiedliche Ansichten."


Forschung: Wayne Wanta, Stephanie L. Craft und Mugur Valentin Geana, School of Journalism, University of Missouri, Columbia

Präsentation auf dem Annual Meeting of the International Communication Association, New York

WWW:
Homepage Wayne Wanta
The Rush Limbaugh Show
"Air America" - Heiße Luft oder Gegenöffentlichkeit?

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