Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 4. Juni 2018 15:40 0 Kommentare Weiter lesen →

Gartenhummeln sind effizienteste Bestäuber

Der Anbau vieler Kulturpflanzen ist davon abhängig, dass sie bestäubt werden. Die Gartenhummeln sind mit ihren langen Rüsseln dafür effizienter und zuverlässiger als etwa Honigbienen oder Erdhummeln. Zu dieser Einschätzung gelangte ein Göttinger Forschungsteam.

Catrin Westphal und ihr Team von der Georg-August-Universität Göttingen untersuchten die Bestäubung der Ackerbohne. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichen sie jetzt in der Fachzeitschrift „Agriculture, Ecosystems and Environment“.

Gartenhummel. Foto: Birgit Marzinzig / Universität Göttingen

Gartenhummel. Foto: Birgit Marzinzig / Universität Göttingen

„Honigbienen und Erdhummeln haben die Ackerbohnen am häufigsten angeflogen“, sagt Marzinzig, ehemalige Masterstudentin in der Abteilung Agrarökologie. „Sie haben die Blüten aber nicht immer bestäubt, sondern meistens Nektar geraubt.“ Dafür bissen die Tiere Löcher in die Blütenbasis, berichtet die Forscherin. Der Besuch von langrüsseligen Gartenhummeln hingegen führe zu einem höheren Samenansatz und zu einer höheren Fremdbefruchtung.

„Honigbienen können zwar aufgrund ihrer hohen Zahl viele Blüten bestäuben – allerdings ist ein einzelner Blütenbesuch vergleichsweise ineffizient“, sagt Lisa Brünjes aus der Abteilung Pflanzenzüchtung der Uni Göttingen. In der Saatgutproduktion und Pflanzenzüchtung komme es aber auf eine gute Durchkreuzung der Pflanzen untereinander an, denn eine hohe Fremdbefruchtung in den Samen führe in späteren Generationen zu höheren und stabileren Erträgen.

Gezüchtete Hummeln werden in der Landwirtschaft generell öfter eingesetzt als Bienen. Sie besuchen doppelt so viele Blüten pro Minute wie Honigbienen und können aufgrund ihrer Größe und Kraft mehr Pollen und Nektar eintragen. Durch ihre großen Körper haben sie besseren Kontakt mit den Staubgefäßen und Stempeln der zu befruchtenden Pflanzen. Zudem sind sie auch bei niedrigen Temperaturen von nur 10 Grad Celsius und selbst noch bei Nieselregen unterwegs. Für die Züchtung kommt in Europa häufig die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) zum Einsatz.

„Während Honigbienen und Erdhummeln kommerziell produziert und weltweit für die Bestäubung eingesetzt werden, entstammen die Gartenhummeln ausschließlich aus natürlichen Populationen“, sagt Dr. Catrin Westphal, Leiterin der Studie. Angesichts des anhaltenden Rückgangs von Bestäubern sollten auch Landwirte, Züchter und Saatguthersteller im eigenen Interesse vermehrt zum Erhalt und Schutz von wildlebenden langrüsseligen Hummelarten beitragen, schlussfolgern die Forscherinnen und Forscher.

Die Gartenhummel (Bombus hortorum) unterscheidet sich von ihrer Verwandten u. a. durch einen deutlich längeren Kopf und einen längeren Rüssel. Sie lebt an Waldrändern und Wiesen, in Gärten und Parkanlagen. Ihr Nest kann sie sowohl in unterirdischen Mäuseburgen als auch in Vogelnestern oder in Hohlräumen in Ställen, Schuppen, und Dachböden bauen. Gartenbesitzer, welche den Tieren Lebensraum bieten wollen, können Hummelkästen aufstellen, deren Fluglöcher die Insekten selbständig entdecken.

Forschung: Birgit Marzinzig, Lisa Brünjes, Siria Biagioni, Hermann Behling, Wolfgang Link, Catrin Westphal; veröffentlicht in: „Agriculture, Ecosystems and Environment“ Volume 264, 1.9.2018, pp 24-33; doi: 10.1016/j.agee.2018.05.003

WWW:
Veröffentlichung in „Agriculture, Ecosystems and Environment“
Fakultät für Agrarwissenschaften, Abteilung Agrarökologie, Georg-August-Universität Göttingen
Gartenhummel (Wikipedia)
Verschiedene Hummelarten (Wildbienen.de)

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