Posted in: Paläontologie 12. Januar 2018 15:07 0 Kommentare Weiter lesen →

Schmetterlinge lebten schon vor über 200 Mio. Jahren

Schmetterlinge hat es bereits beim Übergang der Trias in den Jura vor 201 Millionen Jahren gegeben. Das geht aus einem Bohrkern aus einer Bohrung in Norddeutschland hervor, in dem Flügel- und Körperschuppen gefunden wurden.

Beispiele der ältesten Flügel- und Körperschuppen primitiver Schmetterlinge aus dem Schandelah-Fund. Fotos: Bas van de Schootbrugge.

Beispiele der ältesten Flügel- und Körperschuppen primitiver Schmetterlinge aus dem Schandelah-Fund. Fotos: Bas van de Schootbrugge.

Ein Forschungsteam der Universität Utrecht identifizierte den Fund in Zusammenarbeit mit Kollegen aus den USA und Wissenschaftlern des Hessischen Landesmuseum Darmstadt und des Naturkundemuseums Stuttgart. Die Forscher fanden die ältesten fossilen Reste von Schmetterlingen (Lepidoptera). Sie stammen aus einer Bohrung in Schandelah, Niedersachsen.

Timo van Eldijk, einer der beiden Forschungsleiter, sagt: „Zusätzlich zu den vielen fossilen Schuppen, die wir drei der primitivsten Gruppen existierender Falter, wie den Micropterigidae, zuordnen konnten, enthalten die Schuppenansammlungen auch charakteristische hohle Schuppen, ein deutliches Zeichen dafür, dass es sich hier um Schuppen von Schmetterlingen handelt, wie wir sie von der überwiegenden Mehrheit der heute lebenden Schmetterlinge kennen und die saugende Mundwerkzeugen haben“.

Die Funde stammen aus einer geologischen Periode, in der zahlreiche Lebensformen ausstarben. Das große Aussterben am Ende der Trias wurde durch massiven Vulkanismus als Folge der Auflösung des Superkontinents Pangäa begleitet. Die biologische Vielfalt ging sowohl an Land als auch in den Ozeanen dramatisch zurück. Den Lepidoptera gelang es offenbar, diese Phase weitestgehend unbeschadet zu überstehen. Tatsächlich könnten sie sogar von den dramatischen Veränderungen in ihrer Umwelt profitiert zu haben. Es könnte sich die Tür für ihre Expansion geöffnet haben, ähnlich dem Aufstieg der Dinosaurier, vermuten die Forscher.

Ein zweites wichtiges Ergebnis dieser Forschung betrifft die Koevolution von Schmetterlingen einerseits und von Blütenpflanzen andererseits. Bisher wurde angenommen, dass die Entwicklung beider eng miteinander verbunden ist. Die fossilen Überreste widersprechen dieser Annahme. Sie sind mehr als 70 Millionen Jahre älter als die ältesten Fossilien von Angiospermen (Blütenpflanzen).

Heute lebende Schmetterlinge sind auf Blütenpflanzen angewiesen und ihre „Zunge“ (Rüssel) wird allgemein als eine wichtige Anpassung zur Extraktion von Nahrung aus Blütenpflanzen angesehen. Bas van de Schootbrugge, Paläontologe an der Universität Utrecht sagt: „Die neuen Beweise deuten darauf hin, dass die Nahrung der ersten Lepidopteren von Gymnospermen (nichtblühenden Samenpflanzen), der ökologisch dominanten Pflanzengruppe im Jura stammen. Die frühesten Rüsselschmetterlinge (Glossata) nutzten wahrscheinlich ihre saugenden Mundwerkzeuge, um sich von den zuckerhaltigen Bestäubungstropfen zu ernähren, die von verschiedenen Gruppen von Gymnospermen ausgeschieden wurden.“

Paläoentomologe und Co-Autor Torsten Wappler vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt fügt hinzu: „Diese Schuppen sind auch der älteste fossile Nachweise für Lepidopteren. Dieser Befund bestätigt somit frühere auf molekulargenetischen Untersuchungen beruhende Schätzungen für den Ursprung der Ordnung der Schmetterlinge in der Trias (vor 250 bis 200 Millionen Jahren)“.

Van Eldijk hofft: „Die Untersuchung, wie Insekten und ihre Evolution durch dramatische Treibhauseffekte, wie zu Beginn des Jura beeinflusst werden, kann uns dabei helfen, die Reaktion der Insekten auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zu verstehen.“

Forschung: Timo van Eldijk, Torsten Wappler, Paul Strother, Carolien van der Weijst, Hossein Rajaei, Henk Visscher, Bas van de Schootbrugge; Online-Veröffentlichung vom 10.01.2018 in Science Advances, Vol. 4, no. 1, e1701568, DOI: 10.1126/sciadv.1701568

WWW:
Veröffentlichung in Science Advances
Torsten Wappler, Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Naturkundemuseum Stuttgart

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