Posted in: Biologie 10. Oktober 2017 15:41 0 Kommentare Weiter lesen →

Feiner Geruchssinn bei jungen Finken

Schon als Küken verfügen Zebrafinken über einen Geruchssinn und können damit erkennen, wer ihre biologische Mutter ist. Das berichten Bielefelder Verhaltensforscherinnen. Sogar wenn sie in einem fremden Nest schlüpfen, haben die Küken demnach eine Vorliebe für den Geruch ihrer biologischen Mutter.

„Dass sich Singvogelküken und ihre Eltern direkt nach dem Schlüpfen erkennen, war bislang nicht bekannt“, sagt Barbara Caspers von der Universität Bielefeld. „Lange Zeit wurde angenommen, dass Zebrafinken und andere Singvögel diese Fähigkeit erhalten, kurz bevor der Nachwuchs erstmals aus dem Nest ausfliegt. Die Erkennung läuft dann über die Rufe der Vögel.“ Jetzt konnten Caspers und ihr Team zeigen, dass schon zuvor das Erkennen über Riechen eine wesentliche Rolle für die Eltern-Kind-Kommunikation spielt. Die Bielefelder veröffentlichten ihre Erkenntnisse im Forschungsjournal „Scientific Reports“.

Nest mit Zebrafinken. Foto: Universität Bielefeld

Nest mit Zebrafinken. Foto: Universität Bielefeld

Im ersten Teil ihrer Studie haben die Forschenden zuerst grundsätzlich geklärt, ob der Geruchssinn schon früh vorhanden ist. Dafür haben sie Küken direkt nach dem Schlüpfen sowohl Gerüche ihrer biologischen Eltern als auch fremder Vögel präsentiert. Für jeden Geruch maßen sie, wie lange die Küken um Futter betteln. Das Ergebnis: „Die frisch geschlüpften Vögel bettelten länger, wenn der Geruch des eigenen Elternteils präsentiert wird“, sagt Caspers.

In einem zweiten Experiment haben die Forschenden die Bedingungen verändert, unter denen die Vögel schlüpfen. Sie legten Eier aus den Nestern der biologischen Eltern in fremde Nester. Sie warteten wieder ab, bis die Jungtiere geschlüpft waren. Kurz darauf präsentierten sie ihnen den Geruch der biologischen Mutter und der Ziehmutter. Dabei kam das zentrale Ergebnis der Studie heraus: „Die Jungtiere hatten eine klare Vorliebe für den Geruch der Mutter und betteln dort mehr“, sagt Caspers. Auf die ebenfalls präsentierten Gerüche von Vater und Ziehvater reagierten die Küken jeweils ähnlich lang – hier gab es keine Vorliebe.

Doch woran erkennt ein Küken seine Mutter, wenn es in einem fremden Nest schlüpft? „Denkbar ist, dass es mütterliche Signale im Ei gibt, die während der Embryonalentwicklung gelernt werden“, sagt Caspers. „Vielleicht überträgt die Mutter bestimmte chemische Substanzen ins Ei“. In künftigen Studien will Caspers die genauen Gründe untersuchen und den Stoffen, die dabei eine Rolle spielen, auf die Spur kommen.

Forschung: Barbara A. Caspers, Julie Hagelin, Madeleine Paul, Sandra Bock, Sandra Willeke, E. Tobias Krause; in: „Scientific Reports“ 7, Article 12859 (2017), 9.10.2017, http://dx.doi.org/10.1038/s41598-017-13110-y

WWW:
Veröffentlichung in „Scientific Reports“
Verhaltensforschung an der Fakultät für Biologie, Uni Bielefeld

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