Posted in: Biologie, Genetik 8. August 2017 12:52 0 Kommentare Weiter lesen →

Barren-Ringelnatter ist eine eigene Art

Ringelnattern zählen zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Schlangen Europas. Ihre einzelnen Linien können allerdings genetisch weit auseinander liegen. Die Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica) wurde bisher fälschlich „nur“ für eine Unterart gehalten.

In einer internationalen Studie wurde die Schlange jetzt als neue europäische Schlangenart identifiziert. Wie die Forscher im Fachjournal „Scientific Reports“ berichten, verglichen sie die Gene von mehr als 1600 dieser ungiftigen, bis zu einem Meter langen Reptilien. Danach konzentrierte sich das Team auf zwei sogenannte Kontaktzonen – im Rheingebiet und im Osten Deutschlands – in denen verschiedene genetische Linien von Ringelnattern aufeinandertreffen.

Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica). Foto: Wolfgang Böhme / Senckenberg

Barren-Ringelnatter (Natrix helvetica). Foto: Wolfgang Böhme / Senckenberg

„Hierbei haben wir festgestellt, dass es sich bei der bisher als Unterart aufgefassten Barren-Ringelnatter um eine eigene Art handelt. Die Barren-Ringelnatter ist in Westeuropa weit verbreitet und kommt auch im westlichen Teil Deutschlands vor. Damit hat sich die Anzahl der Schlangenarten in Deutschland auf sieben erhöht“, erklärt Professor Uwe Fritz, Direktor der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dresden.

Viele der über 1600 untersuchten Ringelnattern waren wissenschaftliche Museumspräparate. „Hier zeigt sich wieder einmal, welchen hohen Wert diese – zum Teil sehr alten – Sammlungen haben“, sagt Fritz. „Moderne Methoden, wie die Genetik, erlauben uns, ganz neue Erkenntnisse aus den Sammlungsstücken zu erhalten.“

Zwei durch die zahlreichen Proben definierte „Kontaktzonen“ wurden von den Dresdner Wissenschaftlern unter die Lupe genommen: eine befindet sich im Rheingebiet, die andere erstreckt sich von Mitteldeutschland bis hinunter zum Südbalkan. Dort treffen verschiedene genetische Linien der Ringelnatter aufeinander, die bisher teilweise als verschiedene Unterarten betrachtet wurden. Solche Kontaktzonen gelten als Freilandlabore, weil sich dort Hybridisierung und Artbildung untersuchen lassen.

Die beiden untersuchten Kontaktzonen repräsentieren verschiedene Stadien im Artbildungsprozess: In der östlichen Kontaktzone kommt es über hunderte von Kilometern zu einer kompletten Durchmischung der genetischen Linien. Im Rheingebiet dagegen ist die Mischzone weniger als 50 Kilometer breit und die Vermischung ist stark eingeschränkt, so dass sich hauptsächlich die Barren-Ringelnatter in die östliche Ringelnatter einkreuzt, aber kaum umgekehrt. „Das weist darauf hin, dass Fortpflanzungsbarrieren existieren“, sagt Fritz. Sie entstehen im Artbildungsprozess, um Fehlpaarungen zwischen verschiedenen Spezies zu vermeiden. Diese Fortpflanzungsbarrieren und der schmale Hybridgürtel zeigen, dass die Barren-Ringelnatter eine eigene Art ist.

Ringelnattern stehen in Deutschland unter besonderem Schutz und gelten in vielen Bundesländern als gefährdet oder stark gefährdet. „Wir müssen nun genau schauen, um welche Ringelnatter-Art es sich jeweils handelt, um dann abschätzen zu können, ob eine davon womöglich stärker bedroht ist, als bisher gedacht“, gibt Fritz zu bedenken.

Forschung: Carolin Kindler, Maxime Chèvre, Sylvain Ursenbacher, Wolfgang Böhme, Axel Hille, Daniel Jablonski, Melita Vamberger, Uwe Fritz; in „Scientific Reports“ 7, Article number 7378, 2017. DOI:10.1038/s41598-017-07847-9

WWW:
Veröffentlichung in „Scientific Reports“
Museum für Tierkunde, Senckenberg Dresden

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