Posted in: Biologie, Geologie, Klima, Umwelt 5. April 2017 15:51 0 Kommentare Weiter lesen →

Langstreckenflieger: Mikroben kommen im Wüstensand nach Europa

Winde transportieren jährlich 600 bis 700 Tonnen Staub aus nordafrikanischen Wüsten in andere Regionen der Welt. In den Wolken können Mikroorganismen, oft auf Partikeln sitzend, sehr weite Strecken zurücklegen. Wissenschaftler haben nun komplette mikrobielle Gemeinschaften im Eis der Dolomiten gefunden.

Wie Forscher aus Italien und Österreich im Fachmagazin „Microbiome“ berichten, können die Winde nicht nur einen Bruchteil, sondern ganze Gemeinschaften von Mikroorganismen von der Sahara bis in die Alpen transportieren. Das ergab ihre Analyse von Saharasand, der im Winter 2014 infolge der bisher größten Staubwolken, die jemals Italien erreichten, in den Dolomiten deponiert wurde. Dort haben sich die Sande sehr gut sichtbar als rötliche Einlagerungen im Schnee angesammelt.

Die Einlagerungen wurden von Geologen, Meteorologen, Mikrobiologen und Bioinformatikern der Universitäten Innsbruck, Florenz und Venedig ausgegraben und untersucht. Die Forscher fanden u. a. Pilze und pathogene Bakterien. Die mikrobiellen Gemeinschaften seien besonders resistent und könnten zum Teil in völlig unterschiedlichen Lebensräumen überleben, meinen die Wissenschaftler.

Sanddünen in der Sahara. Foto: Jgremillot / Wikipedia, Lizenz CC BY-SA 3.0

Sanddünen in der Sahara. Foto: Jgremillot / Wikipedia, Lizenz CC BY-SA 3.0

Bei Sandablagerungen im Sommer würden die Zellkulturen meist durch Niederschlag verdünnt. Im Winter jedoch könnten sie sich in den Eis- und Schneeschichten ansammeln. Durch die fortschreitende Eis- und Schneeschmelze im Zuge des Klimawandels erreichten diese Gemeinschaften später eine kritische Masse und könnten sogar heimische Arten verdrängen, meinen die Forscher. Sie befürchten, es könnten sich dabei auch Krankheitserreger etablieren, was zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko für Mensch, Tier und Umwelt führe. Deshalb sei es ratsam, entsprechende Sandstürmen zu überwachen und ihre Ablagerungen regelmäßig zu untersuchen.

Forschung: Tobias Weil, Carlotta De Filippo, u. a.; in „Microbiome“, 20175:32, 10.03.2017, DOI: 10.1186/s40168-017-0249-7

WWW:
Veröffentlichung in „Microbiome“

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