Posted in: Biologie 4. April 2017 13:20 0 Kommentare Weiter lesen →

Erster Höhlenfisch in Deutschland entdeckt

In Deutschland ist der erste in einer Höhle lebende Fisch entdeckt worden. Es handelt sich um eine bisher unbekannte Schmerlen-Art, die an der Aachquelle nördlich des Bodensees lebt. Das Tier sei zugleich der nördlichste Höhlenfisch der Welt, weil die meisten europäischen Höhlentiere auf dem Balkan lebten, sagen seine Entdecker.

Auf den Fisch stieß ein Team aus Höhlentauchern und Forschern der Universitäten Konstanz und Oldenburg, dem Max-Planck Institut für Evolutionsbiologie Plön sowie des Leibnitz-Instituts für Gewässerschutz und Binnenfischerei Berlin.

Bisher hatte die Wissenschaft angenommen, dass Höhlenfische nur dort vorkommen, wo die Gletscher der Eiszeit nicht alles Leben unter sich begraben haben. Die Entdeckung lässt am Bodensee lässt vermuten, dass der Höhlenfisch sich tatsächlich erst nach der Eiszeit ins Dunkel gewagt hat und dort zum Troglodyten (Höhlenbewohner) wurde. „Mit dem Rückzug des Gletschers ist das System für Fische erst besiedelbar geworden. Irgendwann nach dem Ende der Würmeiszeit, vor maximal 20.000 Jahren, müssen sie dort eingewandert sein, und zwar aus der Donau, das können wir aus unseren genetischen Analysen klar sehen“, sagt Arne Nolte von der Universität Oldenburg / Max-Planck Institut für Evolutionsbiologie Plön.

Die erwachsene männliche Höhlenschmerle erreicht 8,5 Zentimeter Körperlänge. Foto: Universität Konstanz

„In dieser evolutionär geringen Zeit haben sich die Tiere schon zu echten Höhlenfischen entwickelt. Die Augen sind stark reduziert, fast als wären sie nach innen gestülpt. Auch die Färbung ist fast verschwunden. Die Fische haben verlängerte Tastfortsätze am Kopf, sogenannte Barteln, und die Nasenöffnungen sind größer als bei ihren oberirdischen Verwandten“, berichtet Jörg Freyhof vom Leibnitz-Institut für Gewässerschutz und Binnenfischerei (IGB) Berlin.

Wo Höhlenfische zu Hause sind, gibt es für sie keine Fressfeinde, so dass das unterirdische Leben für die Schmerlen recht sicher ist. Auch kleine Höhlenkrebse, Höhlenasseln und Höhlenschnecken wurden in den Unterwassergängen ausgemacht. Sie dienen den Fischen wahrscheinlich als Nahrungsgrundlage.

Da die Höhlentaucher vom Beginn der Aachquelle aus gegen die Strömung schwimmen müssen, sind die Tauchgänge in den Unterwassergängen alles andere als eine einfache Angelegenheit. Eine Stunde brauchen Höhlentaucher, um an die Fundstelle der Fische zu gelangen, die zirka 600 Meter von der Aachquelle entfernt ist. Auf dem Weg muss ein Schacht durchquert werden, der 40 Meter senkrecht nach unten fällt.

Das Unterwassersystem vom Versickerungsbereich der Donau zwischen Immendingen und Möhringen bis zur Aachquelle gleicht einem überschwemmten labyrinthischen Röhrensystem. Luftlinie sind es 12,5 Kilometer zur Quelle, zu der das Wasser in einem schrägen Horizont abfließt. „Wir wissen nicht genau, wie das System aussieht, aber es muss weitere unterirdische Flüsse und Seen geben“, vermutet Roland Berka, der die geologischen Formationen der Region seit vielen Jahrzehnten untersucht.

„Wir nehmen an, dass in dem 250 Quadratkilometer großen Versickerungsbereich der Donau, der in der Aachquelle nördlich des Bodensees mündet, eine große Population Höhlenfische lebt“, sagt Jasminca Behrmann-Godel von der Universität Konstanz. Die Entdeckung werde helfen, die Evolution schneller Anpassungen besser zu verstehen, hoffen die Forscher.

Forschung: Jasminca Behrmann-Godel, Arne W. Nolte, Joachim Kreiselmaier, Roland Berka & Jörg Freyhof: The first European cave fish, Current Biology, Volume 27, Issue 7, 3.4.2017, Pages R257-R258, DOI: 10.1016/j.cub.2017.02.048

WWW:
Veröffentlichung in Current Biology

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