Posted in: Anthropologie, Klima, Umwelt 20. Dezember 2016 13:25 1 Kommentar Weiter lesen →

Früher Homo sapiens mochte keine Wälder

Als der Homo sapiens sich von Afrika aus nach Norden ausbreitete, stoppte er zunächst im östlichen Mittelmeergebiet. Dafür waren vermutlich nicht ausgedehnte Wüsten verantwortlich, sondern Urwälder.

Die Wiege der Menschheit stand in Afrika. Vor rund 200.000 Jahren bildete sich dort der „verständige Mensch“ – Homo sapiens – heraus und verbreitete sich anschließend über die ganze Erde. Aber sein Vormarsch nach Europa stoppte zunächst im östlichen Mittelmeergebiet. Forscher der Universität Bonn glauben anhand von Pollenanalysen aus dem Toten Meer nachweisen zu können, was die Ausbreitung der frühen Menschen aufhielt.

Die Hauptzugroute des Homo sapiens verlief nach Norden über die sogenannte Levante, dem östlichen Küstenstreifen und Hinterland des Mittelmeers. Im nördlichen Teil verzweigte sich die Wanderung nach Europa und nach Asien. „Im Gebiet des heutigen nördlichen Israels gab es eine Art Flaschenhals“, sagt Thomas Litt, Paläobotaniker vom Steinmann-Institut der Universität Bonn. Wie archäologische Funde dokumentieren, stockte an diesem Engpass entlang des Jordangrabens vor rund 100.000 Jahren die Weiterwanderung des modernen Menschen.

Die Ausbreitung des Homo sapiens auf der Erde. Quelle: Wikipedia, Grafik: NordNordWest/Urutseg, Gemeinfrei

Litt kommt nach umfangreichen Bohrungen im Toten Meer und Analysen der darin befindlichen Pollen zu dem Schluss, im heutigen westlichen Syrien und Libanon habe sich vor rund 90.000 bis 130.000 Jahren ein undurchdringlicher Urwald befunden, den der Homo sapiens gemieden habe. „Die Menschen jagten Wild als ihre Lebensgrundlage“, sagt Litt, „und das fanden sie vor allem in Steppenlandschaften.“

Südlich des „Flaschenhalses“ in Israel und Jordanien waren solche offenen Landschaften mit Gräsern, Steppen-Beifuß und einzelnen Baumgruppen verbreitet, wie das Team um den Paläobotaniker herausfand. Die Bedingungen für die Wildjagd warem demnach ideal. Der undurchdringliche Wald weiter nördlich muss den Menschen weit weniger paradiesisch erschienen sein. Er wirkte wie eine Barriere.

Erst vor 50.000 bis 60.000 Jahren wurde das Klima im ostmediterranen Raum deutlich trockener, der Wald im Norden verschwand und die Steppe im heutigen Israel und Jordanien dehnte sich dann über die gesamte Levante aus. Ab diesem Zeitraum setzte die Weiterwanderung nach Norden ein, wie sich auch anhand von datierten Homo sapiens-Skeletten in Höhlen und weiteren Funden belegen lässt.

Ihre Erkenntnisse stellen die Forscher in „forsch“, dem Magazin der Universität Bonn vor.

Forschung: Thomas Litt, Andreas Hense, Universität Bonn, u.a.

WWW:
Steinmann-Institut, Universität Bonn
Ausgabe 3/2016 von „forsch“

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1 Kommentar zu "Früher Homo sapiens mochte keine Wälder"

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  1. Frank Ender sagt:

    Nun, der Bericht als solcher ist sehr interessant. Aber kann mir jemand erklären , wie und vor allen Dingen womit !!!! in der Frühzeit unseres Lebens Inseln wie Madagaskar , Indonesien, Australien etc. besiedelt werden. Zweifel bestehen bei mir auch bei der These , das Amerika von Alaska aus besiedelt worden sei . Vielleicht von einzelnen Stämmen , aber nicht bis zu der Bevölkerungsdichte welche in Mittel – und Südamerika vorgeherrscht haben soll.

    MfG. Frank Ender

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