Posted in: Biologie 13. Mai 2016 15:58 0 Kommentare Weiter lesen →

Fliegenlarve bestiehlt fleischfressende Pflanze

Die Larven der meisten Schwebfliegen sind als Nützlinge bekannt, weil sie sich von Blattläusen und anderen Insekten ernähren. In den Tropen Südamerikas, wo es sehr viele Schwebfliegen-Arten gibt, sind Blattläuse jedoch relativ selten. Manche Larven sind deshalb zu Vegetariern geworden, während eine spezielle Art sich den stark klebrigen Blättern des fleischfressenden Sonnentaus angepasst hat.

In Zentralbrasilien hat ein Team aus deutschen, brasilianischen und spanischen Botanikern und Entomologen Larven entdeckt, die sich von der Beute bedienen, die der Sonnentau angelockt und gefangen hat. Die Larven verbringen offenbar ihr gesamtes Leben auf den klebrigen Blättern der Pflanze als „Mitesser“, ohne vom Sonnentau selbst verdaut zu werden. Wenn es für die Larven Zeit wird, sich zu verpuppen, heften sie sich auf der nicht klebrigen und damit ungefährlichen Blattunterseite der Pflanze an. Die aus diesen Puppen schlüpfenden Schwebfliegen konnten als Toxomerus basalis identifiziert werden. Die Art ist seit 180 Jahren in Brasilien bekannt, die Ernährungsgewohnheiten ihrer Larven waren aber bis dato völlig unbekannt und wurden nun erstmals dokumentiert.

Schwebfliegen-Larve auf brasilianischem Sonnentau

Schwebfliegen-Larve auf brasilianischem Sonnentau

Larve auf dem Blatt des fleischfressenden Sonnentaus Drosera graomogolensis in Minas Gerais, Brasilien. Foto: Paulo M. Gonella, University of São Paulo, SPF

Seine Beobachtungen hat das Forschungsteam in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht. Demnach wurden die diebischen Larven der Schwebfliege gleich auf mehreren verschiedenen Sonnentau-Arten und in mehreren Bundesstaaten Brasiliens gefunden – u.a. auf dem erst kürzlich entdeckten Drosera magnifica.

„Es könnte durchaus sein, dass diese Schwebfliege viel weiter verbreitet ist, als bisher bekannt, oder das auch andere Arten der Gattung Toxomerus dieses interessante Verhalten zeigen“, sagt Fernando Rivadavia, der die eigentümlichen Larven entdeckt hat. Diese Entdeckung ist gleich in mehrerlei Hinsicht eine kleine Sensation: „Es sind die ersten aus Südamerika bekannten Bewohner von Sonnentau-Arten, denn tierische Mitesser waren von dort bisher nur von Schlauchpflanzen bekannt“, sagt Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München und Leiter der Studie. Die Biologie dieses ungewöhnlichen Zusammenlebens soll nun weiter erforscht werden.

Forschung: A. Fleischmann, F. Rivadavia, P.M. Gonella, C. Pérez-Bañón, X. Mengual, S. Rojo, in PLOS ONE, 4.5.2016, doi:10.1371/journal.pone.0153900

WWW:
Artikel in PLOS ONE
Botanische Staatssammlung München

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