Posted in: Ernährung, Gesundheit 12. November 2015 12:41 0 Kommentare Weiter lesen →

Orangen: Besser trinken als essen

Orangen enthalten neben einer hohen Menge an Vitamin C auch eine Vielfalt an Carotinoiden und Flavonoiden. Besonders die Carotinoide kann man über Orangensaft offenbar besser aufnehmen als über die Orangen selbst. Das belegt eine Studie der Universität Hohenheim.

Carotinoide und Flavonoide schützen als Antioxidantien die Körperzellen vor schädlichen Umwelteinflüssen und sollen das Risiko von bestimmten Krebs- und Herzkreislauferkrankungen senken können. Dass Orangensaft eine bessere Quelle für Carotinoide darstellt als die Orange selbst, hatten Forscher der Universität Hohenheim bereits nach Lobrversuchen vermutet. Die Überprüfung ihrer These in einer Humanstudie stand allerdings noch aus. Diese erfolgte inzwischen mit zwölf Probanden.

Orangensaft

Orangensaft. Foto: JKM

Zur Vorbereitung der randomisierten Crossover-Studie, in der nach dem Zufallsprinzip entweder zunächst die Orange oder der Orangensaft verzehrt wurde, mussten die Teilnehmer zwei Wochen völlig auf Carotinoide verzichten. Dadurch wurden die im Körper gespeicherten Carotinoide „ausgewaschen“. Anschließend erhielten die Probanden einmal ein standardisiertes Frühstück mit Orangen und eines mit pasteurisiertem Orangensaft. Zwischen den beiden Testphasen lagen 14 Tage. Nach dem Frühstück entnahmen die Wissenschaftler den Probanden innerhalb von knapp zehn Stunden acht Blutproben und bestimmten anschließend den Carotinoid-Gehalt.

„In der Humanstudie hat sich unsere Hypothese aus der in vitro-Studie voll bestätigt. Orangensaft ist eine bessere Carotinoid-Quelle als eine Orange“, sagt Julian Aschoff, Doktorand an der Universität Hohenheim. „Bei unseren Untersuchungen konnten wir feststellen, dass aus pasteurisiertem Orangensaft ungefähr doppelt so viele Carotinoide aufgenommen werden wie aus einer handelsüblichen Orange.“

Dies liege an der Herstellung des Saftes, so Reinhold Carle, Initiator der Studie an der Universität Hohenheim. „Bei der Herstellung des Orangensaftes werden Ballaststoffe wie beispielsweise Pektin oder auch Cellulose teilweise abgetrennt. Diese Stoffe hemmen die Absorption von Carotinoiden während der Verdauung. In der Orange sind mehr unverdauliche Ballaststoffe enthalten als im Saft, weshalb die Aufnahme der Carotinoide aus der Frucht stark vermindert ist.“

Auch die Konsistenz spiele bei der Nährstoffaufnahme eine Rolle, so Aschoff: „Beim Zerkauen einer Orange wird die Frucht nie komplett zerkleinert. Viele Zellen bleiben so intakt und schließen die Carotinoide ein. Das erschwert ihre Aufnahme und Verwertung.“

Der Verzehr von Obst und Gemüse in Deutschland liege weit unter der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, so die Wissenschaftler. Kaum ein Konsument nehme sich die Zeit, täglich genug Gemüse oder Früchte zu verzehren. In Maßen konsumiert – darunter verstehen die Forscher ein Glas mit 200 ml pro Tag – könne Orangensaft daher als Alternative zu einer gesunden Ernährung beitragen.

Forschung: Reinhold Carle, Julian Aschoff, und Ralf Schweiggert, Fg. Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel, Universität Hohenheim; veröffentlicht in „Molecular Nutrition & Food Research“ Vol. 59, Issue 10, pp 1896–1904, Oktober 2015

WWW:
Abstract in „Molecular Nutrition & Food Research“
Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel der Universität Hohenheim

Posted in: Ernährung, Gesundheit
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (8 Bewertungen, im Schnitt 4,13 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Möchten Sie kommentieren?