Posted in: Biologie 1. Juli 2015 15:46 Weiter lesen →

Wie sich Plattwürmer selbst befruchten

Keinen Partner für die Paarung zu finden, stellt für jedes Tier ein existenzielles Problem dar. Manche Plattwürmer können aber zur Not auf Artgenossen verzichten und sich selbst befruchten, indem sie sich Sperma in den Kopf spritzen.

Der Plattwurm der Art Macrostomum hystrix ist ein simultaner Hermaphrodit, er besitzt sowohl weibliche als auch männliche Sexualorgane. Seine Selbstbefruchtung habe zwar den Nachteil, dass beim sogenannten Selfing alle Nachkommen durch Inzucht entstünden, sagen Zoologen, aber das sei immer noch besser, als gar keine zu zeugen. In einer neuen Studie beschreiben die Wissenschaftler um Lukas Schärer von der Universität Basel die seltsamen, aber Strategien, die Macrostomum hystrix bei der partnerfreien Vermehrung anwendet.

Die untersuchten Plattwürmer sind praktisch durchsichtig, so dass die Vorgänge in ihrem Innern leicht unter dem Mikroskop beobachtet werden können. Dabei entdeckten die Zoologen, dass bei isolierten Würmern unter Selfing-Bedingungen – wenn sie also ihre Eier mit ihrem eigenen Sperma befruchten mussten – die meisten Spermien im vorderen Körperteil und der Kopfregion vorhanden waren. Bei Würmern, die in Gruppen gehalten wurden, befanden sich die meisten Spermien hingegen im hinteren Körperteil, wo die Befruchtung bei der Paarung stattfindet.

Plattwurm_Uni-Basel
Macrostomum hystrix unter dem Mikroskop: (1) Augen im Kopf, (2) paarweise Hoden, (3) paarweise Eierstöcke, (4) sich entwickelnde Eier, (5) weibliches Geschlechtsorgan mit drei reifen Eiern, (6) männliche Genitalregion im Schwanz des Wurms. Bild: Lukas Schärer, Universität Basel

Dies deute auf einen eher seltsamen Befruchtungsweg hin, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“: Ein isolierter Wurm verwende sein nadelartiges männliches Geschlechtsorgan, um sich selbst Sperma in den vorderen Körperteil zu spritzen, von wo es durch den Körper zu den Eiern wandere. «So weit wir wissen, ist dies das erste Beispiel von subkutaner Selbstinjektion von Sperma in den Kopf. Uns Menschen erscheint dies eher abartig, aber für diese Plattwürmer ist es die beste Methode um sich fortzupflanzen, wenn sie keinen Partner finden», erklärt Steven Ramm von der UNiversität Bielefeld.

Der komplizierte Weg ist nötig, weil die Würmer zwar Hermaphroditen sind, aber dennoch keine Verbindung zwischen den männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen besitzen.

Forschung: Steven Ramm, Aline Schlatte, Maude Poirier, Lukas Schärer; in „Proceedings of the Royal Society B“ doi:10.1098/rspb.2015.0660

WWW:
Abstract in den „Proccedings“
Plattwurm-Forschungsgruppe an der Universät Basel

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