Posted in: Geologie, Klima, Umwelt 14. April 2015 12:16 Weiter lesen →

Neue Studie stützt Schneeball-Hypothese

Unser Planet könnte im Laufe seiner Geschichte mehrmals von einer Eisschicht bedeckt gewesen sein. Die unter Geologen nicht unumstrittene Hypothese vom “Schneeball Erde” wird jetzt durch neue Daten gestützt, die Forscher der Universität Göttingen vorgelegt haben: Der Geologe Daniel Herwartz und seine Kollegen rekonstruierten die Zusammensetzung von Sauerstoffisotopen tropischer und subtropischer Gletscher und kommen zu dem Ergebnis, Gletscher seien wiederholt bis an den Äquator vorgedrungen.

Icy planet concept Illustration: boghy/ Fotolia

Die Forscher belegen ihre These mit Gesteinen aus dem Nordwesten Russlands und aus China. Vor 2,4 Milliarden und 700 Millionen Jahren lagen diese Gesteine nahe des Äquators und müssen dort mit Schmelzwasser von (sub)tropischen Gletschern interagiert haben. Die isotopische Klimainformation wurde vom Wasser auf die Gesteine übertragen und konnte so hunderte Millionen Jahre überdauern.

Die Sauerstoffisotopenzusammensetzung der 2,4 Milliarden Jahre alten (sub)tropischen Gletscher deutet auf Klimabedingungen hin, wie wir sie heute nur am kältesten Orten der Erde finden: in der Antarktis mit mittleren Jahrestemperaturen von minus 40 Grad Celsius. „Es scheint verrückt, sich Regionen wie Florida oder Ägypten bei minus 40 Grad Celsius mittlerer Jahrestemperatur vorzustellen, aber die Daten sprechen für solch extreme Klimabedingungen in niederen Breiten“, sagt Dr. Herwartz.

Die 700 Millionen Jahre alten Gesteine aus China deuten auf Klimabedingungen hin, wie sie heute im Süden Grönlands herrschen – also wesentlich wärmer als die 2,4 Milliarden Jahre alten Proben aus Russland. Die Rekonstruktion des Gletscherwassers gelang den Wissenschaftlern dank einer hochpräzisen Analyse des seltenen 17O-Isotops. „Die Isotope geben Aufschluss über die klimatischen Bedingungen einer vollkommen vereisten Erde“, sagt Herwartz, der die Studie an der Universität Göttingen geleitet hat und jetzt an der Universität zu Köln arbeitet. Seine Studie ist in der Fachzeitschrift “Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA” (PNAS) erschienen.

Die Schneeball-Hypothese besagt, dass die gesamte Erde gefroren war und die Ozeane unter einer hunderte Meter mächtigen Schicht aus Meereis lagen. Niedrige Konzentrationen von Kohlendioxid führten zu wachsenden Eisschilden, die das Sonnenlicht reflektierten und die Erde weiter abkühlten.

Erreichen die Gletscher eine kritische Grenze ist die Reflektion der Sonneneinstrahlung so stark, dass die Erde schließlich komplett einfriert. Ein starker Anstieg vom Treibhausgas CO2 durch fortwährende vulkanische Aktivität ist dann notwendig, um die Erde aus ihrem gefrorenen Zustand zu befreien. „Eine Schneeball-Erde ist eine kritische Zeit. Leben ist auf einem gefrorenen Planeten nur in kleinen Rückzugsgebieten möglich, dafür scheint es nach dem Auftauen geradezu zu explodieren“, sagt Andreas Pack vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen, der an der Studie beteiligt war.

Forschung: Daniel Herwartz, Andreas Pack, Yilin Xiao, u.a.; Veröffentlichung in “Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA.” Doi: 10.1073/pnas.1422887112

WWW:
Abstract in PNAS
Schneeball Erde (Wikipedia)
Schneeball Erde – die Datenlage zum brutalsten aller Klimawandel

Lesen Sie auch im Scienceticker:
Wann das Eis kommt und geht
Feuchtgebiete beschleunigten Ende der Eiszeit
Was die Eiszeit in Gang setzte

Posted in: Geologie, Klima, Umwelt
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (14 Bewertungen, im Schnitt 4,07 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.