Posted in: Medizin 8. Januar 2015 14:09 Weiter lesen →

Neues Antibiotikum in Bodenbakterien entdeckt

Im Bodenbakterium „Elefhtheria terrae“ haben Wissenschaftler einen Wirkstoff entdeckt, der möglicherweise als Antibiotikum in der Medizin eingesetzt werden könnte. Erste Versuche an Mäusen seien vielversprechend verlaufen, schreiben die Forscher im Magazin „Nature“. Die Verträglichkeit und Wirksamkeit beim Menschen ist allerdings noch unbewiesen.

Eine Gruppe US-amerikanischer, britischer und deutscher Wissenschaftler untersuchte bislang unerforschte und unkultivierbare Bodenbakterien. Normalerweise können nur ein Prozent aller Bakterien aus Bodenproben im Labor kultiviert werden. Mit neuen Verfahren hat ein Team unter Federführung von Kim Lewis vom Antimicrobial Discovery Center der Northeastern University in Boston den Anteil auf rund 50 Prozent angehoben. Auf diese Weise isolierten und kultivierten sie etwa 10.000 Kulturen und stießen dabei auf 25 Bakterien mit potenziellen Antibiotika.

Das vielversprechendste Bakterium aus dieser Gruppe produziert einen Hemmstoff, der hochwirksam gegen ein weites Spektrum häufiger Gram-positiver Erreger ist. Das Bakterium setzt die Substanz ein, um sich gegen andere Mikroorganismen behaupten zu können. Die Wissenschaftler nannten das Bakterium „Elefhtheria terrae“ und das von ihm produzierte Antibiotikum „Teixobactin“.

Elefhtheria-terrae_Northeastern-University_400 Elektronenmikroskopische Aufnahme von Elefhtheria terrae. Foto: William Fowley/Northeastern University

Teixobactin kann nach Aussage der Forscher die Synthese der Bakterienzellwand hemmen. Auch andere Antibiotika, wie zum Beispiel Vancomycin, verhindern den Aufbau der Bakterienwand. Allerdings blockieren bisherige Wirkstoffe die Synthese der schützenden Umhüllung an einem einzelnen Angriffspunkt – es trifft wie eine einzelne Gewehrkugel.

Teixobactin wirke dagegen wie ein Schrotschuss und attackiere an vielen Punkten den Harnisch der Bakterien, sagen die Forscher. Das erkläre auch, weshalb das neuartige Antibiotikum vermutlich keine Resistenzen verursacht: „Teixobactin greift an vielen entscheidenden Stellen in den Aufbau der Zellwand an und macht bakterielle Anpassungsstrategien nahezu unmöglich“, sagt die an der Forschung beteiligte Wissenschaftlerin Tanja Schneider vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Universität Bonn. Sie und ihre Kollegen stellen die Entdeckung in der aktuellen Ausgabe von „Nature“ vor.

Forschung: Losee L. Ling, Tanja Schneider, Aaron J. Peoples, Kim Lewis u.a., in Nature, Online-Veröffentlichung 7.1.2015, DOI: 10.1038/nature14053

WWW:
Artikel in Nature
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn

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1 Kommentar zu "Neues Antibiotikum in Bodenbakterien entdeckt"

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  1. erazer32 sagt:

    Wenn das funktioniert, bleibt nur zu hoffen, daß nicht nur ein einzelner Pharmakonzern davon profitiert …