Posted in: Biologie, Paläontologie 2. Dezember 2014 13:20 Weiter lesen →

Fossile fleischfressende Pflanze in Bernstein entdeckt

Erstmals haben Paläontolgen eine fossile fleichfressende Pflanze entdeckt. Bei dem Fund handelt es sich um zwei mit Drüsen bedeckte Blättchen in einem Stück Baltischen Bernsteins. Das berichtet ein Forscherteam der Universitäten Göttingen, Bielefeld und der Botanischen Staatssammlung München. Der Bernstein stammt aus einem Tagebau bei Kaliningrad in Russland und ist etwa 35 bis 47 Millionen Jahre alt. Bisher konnten Fossilien karnivorer Pflanzen nur als Samen und Pollen nachgewiesen werden.

Baltischer Bernstein gehört zu den weltweit größten Bernsteinlagerstätten und enthält neben vielen tierischen Einschlüssen gelegentlich auch pflanzliche Fossilien. Solche aus dem Eozän stammenden Bernsteinfossilien untersucht die Doktorandin Eva-Maria Sadowski von der Universität Göttingen, um die Flora der damaligen Zeit zu rekonstruieren. Dabei wurden die zwei karnivoren Pflanzenblättchen entdeckt.

Den Fund stellen Sadowski und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) vor. Er sei nicht nur für das Verständnis der Evolution und der Verbreitungsgeschichte fleischfressender Pflanzen von Bedeutung, sagt Eva-Maria Sadowski, er zeige „auch die hohe Vielfalt der Flora des Baltischen Bernsteinwaldes“.

fossile_fleichfressende_pflanze_bernstein_400 Fossiler Fund in Baltischem Bernstein. Foto: PNAS und Universität Göttingen/Alexander Schmidt

Auffällig sind die lang gestielten mehrzelligen Drüsen, die sogenannten Tentakeln, die die Blattunterseite und die Blattränder der Blättchen bedecken. Diese Tentakeln und weitere morphologische Details entsprechen den Klebefallen der fleischfressenden Taupflanze Roridula, die heutzutage nur an wenigen Stellen in Südafrika vorkommt. Mit ihren langen klebrigen Tentakeln fängt Roridula eine große Anzahl an Insekten, aber ihr Fangsekret weist keinerlei Verdauungsenzyme auf. Roridula lebt jedoch in Vergesellschaftung mit einer Wanzenart, die sich von der durch die Pflanze gefangenen Beute ernährt. Die Ausscheidungen der Wanzen nimmt Roridula durch ihre Blätter auf und erhält so zusätzliche Nährstoffe.

roridula_gorgonias_hermanus_400 Die karnivore Roridula gorgonias mit einer ihrer hilfreichen Blindwanzen am Naturstandort in Südafrika. Foto: Andreas Fleischmann, SNSB-BSM

Diese weltweit ersten fossilen Klebefallen geben einen Einblick in die evolutionäre Geschichte karnivorer Pflanzen. Ursprünglich wurde angenommen, dass die Vorfahren von Roridula vor etwa 90 Millionen Jahren auf dem afrikanischen Kontinent entstanden seien und sich dort durch das Auseinanderbrechen des südlichen Großkontinents Gondwana isoliert entwickelten. Roridula gehört zur Familie der Roridulaceae und ist mit den fleischfressenden amerikanischen Schlauchpflanzen, den Sarraceniaceae, sowie den nicht-karnivoren Kiwigewächsen (Actinidiaceae) verwandt.

„Durch den neuen Fossilfund aus Baltischem Bernstein konnte nachgewiesen werden, dass die Vorfahren heutiger Roridula-Pflanzen noch bis vor 35 Millionen Jahren auf der Nordhemisphäre vorkamen und nicht auf Südafrika beschränkt waren“, sagt Alexander Schmidt. Göttinger Paläontologe und Leiter der Studie.

„Unsere Ergebnisse schließen nicht nur eine Kenntnislücke über die historische Verbreitung der Roridulaceae, sondern bestätigen auch molekulare Datierungen, nach denen die Roridulaceae seit 38 Millionen Jahren als eigenständige Abstammungslinie existieren“, sagt Co-Autor Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München.

Forschung: Eva-Maria Sadowski, Andreas Fleischmann, Aleander Schmidt u.a., in „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“, Early Edition, 1.12.2014 doi: 10.1073/pnas.1414777111.

WWW:
Abstract in PNAS

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2 Kommentare zu "Fossile fleischfressende Pflanze in Bernstein entdeckt"

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  1. Bernd Philippsen sagt:

    Das Fossil sieht aus wie eine moderne Pflanze. Hat sich etwa 35 x 1000 x 1000 Jahre lang keine Evolution ereignet? Oder gab es keine 35 x 1000 x 1000 Jahre? Oder muss man entgegen Augenschein und Logik einfach nur glauben?

  2. But Norris sagt:

    nein! es gibt keine Evolution nur eine Liste von Lebewesen denen Chuck Norris erlaubt hat zu leben.