Posted in: Medizin 3. November 2014 12:05 Weiter lesen →

Liposomen: Köder für Bakterien-Gifte

Neu entwickelte Liposomen lassen sich gegen schwere bakterielle Infektionen einsetzen. Im Tierversuch überlebten Mäuse dank der Liposomen eine sonst tödliche Blutvergiftung. Die Nager wurden ohne Antibiotika wieder gesund. Die Nanopartikel könnten helfen, Antibiotika-Resistenzen zu vermeiden, sagt eine internationale Forschergruppe.

Die Wissenschaftler unter der Leitung von Eduard Babiychuk und Annette Draeger vom Institut für Anatomie der Universität Bern hatten sich auf die Suche nach einem alternativen Ansatz zu bisherigen Antibiotika begeben. Dabei setzten sie auf Liposomen – künstlich hergestellte Nanopartikel, die aus Bestandteilen der Fettschicht von Körperzellen gebildet werden. Liposomen werden unter anderem verwendet, um Medikamente in den Körper zu transportieren.

Die Berner Wissenschaftler setzten nun Liposomen so zusammen, dass sie bakterielle Giftstoffe anziehen und so die Körperzellen vor diesem gefährlichen „Beschuss“ schützen.

Staphaureus Staphylococcus aureus: Das Bakterium kann Giftstoffe produzieren, die Menschen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden. Bild: E. Erbe, Chr. Pooley, U.S. Department of Agriculture, via Wikipedia

„Da die Wirkung der Liposomen sich nicht gegen die Bakterien selber richtet, kann sich auch keine Resistenz entwickeln“, sagt Annette Draeger. Das Forschungsteam hat seine Ergebnisse im Fachmagazin „Nature Biotechnology“ veröffentlicht.

Der neue Wirkstoff ist von der Technologietransfer-Organisation Unitectra Bern, an der auch die Universitäten Basel und Zürich angeschlossen sind, zum Patent angemeldet worden.

Das Medikament unter dem Namen «CAL02» soll von einer Genfer Biotechnologiefirma weiterentwickelt und für die Anwendung am Menschen vorbereitet werden. Eine erste klinische Studie mit Patienten, die an einer schweren Lungenentzündung durch Streptokokken leiden, sei bereits in Planung, teilte die UNiversität Bern mit.

Forschung: Brian D. Henry, Institut für Molekularbiologie, Universität Duisburg-Essen; Annette Draeger, Eduard B. Babiychuk, Institut für Anatomie der Universität Bern; u.a.; Online-Veröffentlichung in „Nature Biotechnology“, 2.11.2014, doi:10.1038/nbt.3037

WWW:
Abstract in „Nature Biotechnology“
Zellbiologie am Institut für Anatomie, Universität Bern

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