Posted in: Paläontologie 11. September 2014 20:00 Weiter lesen →

Der Wasserbewohner unter den Dinosauriern

Grafik zeigt 3-D-Modell des Skeletts Ähnlich vielen heutigen Säugetieren verbrachten auch manche Dinosaurier einen großen Teil ihres Lebens im Wasser. Entsprechende Belege liefert ein rund 97 Millionen Jahre altes Skelett, das eine internationale Forschergruppe im Magazin „Science“ vorstellt. Der riesenhafte Spinosaurus aegyptiacus dürfte sich demnach vorwiegend im Wasser aufgehalten und dort auch gejagt haben.

Modellgrafik: University of Chicago, Fossil Lab

„Die Untersuchung dieses Tieres war, als würde man ein außerirdisches Wesen studieren“, erklärt Nizar Ibrahim von der Universität Chicago. „Niemals zuvor habe ich einen ähnlichen Dinosaurier gesehen.“ Zur gleichen Verwandtschaftsgruppe wie Tyrannosaurus rex gehörend, habe sich Spinosaurus wohl halb watend, halb schwimmend fortbewegt und dabei mit schlängelnden Schwanzbewegungen nachgeholfen.

Versteinerte Knochen von Spinosaurus aegyptiacus waren erstmals vor gut 100 Jahren von einem deutschen Paläontologen, Ernst Stromer von Reichenbach, in Ägypten entdeckt und beschrieben worden. Die kostbaren Fossilien wurden jedoch im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff auf München vernichtet. Ibrahim und seine Kollegen untersuchten nun ein Skelett sowie isolierte Knochen, die vor wenigen Jahren in Marokko in den Ablagerungen eines ehemaligen Süßwassersystems gefunden worden waren. Zudem konnten die Forscher auf die Notizen und Fotografien Stromers zurückgreifen.

Foto zeigt Sandsteinklippen in Wüstenlandschaft, Einschub Schädel von Spinosaurus mit langer Schnauze
Foto: Nizar Ibrahim. Grafik: Davide Bonadonna, Ibrahim et al., Science/AAAS

Obwohl das marokkanische Exemplar noch ein „Halbwüchsiger“ war, maß es von der schmalen Schnauze bis zur Schwanzspitze bereits 15 Meter – fast 3 Meter mehr als der größte T. rex. Noch erstaunlicher als seine Größe sind jedoch die vielfältigen Anpassungen an ein Leben im Wasser. So weisen die langen Kieferknochen zahlreiche Öffnungen für Nerven und Blutgefäße auf, die für eine gute Ausstattung der Schnauze mit Druck- bzw. Tastrezeptoren sprechen. Ähnliche Verhältnisse finden sich bei heutigen Krokodilen. Die Nasenöffnungen sind dagegen weit nach hinten verlagert, sodass beim Stöbern nach Beute kein Wasser hineingelangte.

Passend dazu, ist der lange Hals sehr beweglich mit dem langen Rumpf verbunden, während die kurzen Wirbelkörper im Schwanz starke Schlängelbewegungen ermöglichten. Langen Vorderbeinen mit klingenartigen Krallen steht ein nur schwach entwickelter Beckengürtel gegenüber. Auch die kurzen Hinterbeine waren weniger zum Tragen eines großen Gewichts geeignet als vielmehr zum kräftigen Abstoßen nach hinten. Ihre Zehen waren wiederum lang und platt, nach Ansicht der Forscher eine Analogie zu heutigen Watvögeln.

„Wir stellen fest, dass Spinosaurus sich an Land nur vierbeinig fortbewegt haben kann, im Gegensatz zu allen anderen bekannten Theropoden“, schreibt die Gruppe um Ibrahim und seinen Kollegen Paul Sereno. Neben den Proportionen der Beine ergebe sich dieser Schluss auch aus dem Körperschwerpunkt, der in einem Computermodell des Tieres weit vor der Hüfte liege. Offenbar hatte Spinosaurus aegyptiacus mit seinen dichten Knochen einen ähnlichen Weg eingeschlagen, wie ihn viele Jahrmillionen später auch die Ahnen der Wale gingen.

Grafik zeigt Gesamtansicht des Spinosaurus-Skeletts
Grafik: Tyler Keillor, Lauren Conroy, and Erin Fitzgerald, Ibrahim et al., Science/AAAS

Forschung: Nizar Ibrahim und Paul C. Sereno, Organismal Biology and Anatomy, University of Chicago; Dawid A. Iurino, Dipartimento di Scienze della Terra, Sapienza Università di Roma; und andere

Veröffentlichung Science, DOI 10.1126/science.1258750

WWW:
Paul Sereno Lab, University of Chicago
Spinosaurus
The Kem Kem Beds: A Paradise for Predators?
Dinosaurier.org

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