Posted in: Biologie 19. August 2014 16:40 Weiter lesen →

Mehr Fürsorge, mehr Gehirn

Foto zeigt Fisch mit orangefarbenem Bauch und silbrig-bläulicher Oberseite im flachen Wasser, umgeben von Jungfischen Sich um den Nachwuchs zu kümmern, erfordert einiges an Gehirnmasse. Neue Belege für diese Hypothese liefert eine Studie kanadischer Forscher. Indem die Männchen einer neu entstehenden Stichlingsart die Brutpflege aufgegeben haben, ist demnach auch ihr Gehirn beträchtlich geschrumpft.

Foto: Nicole Bedford/UBC

Normalerweise hätten Stichlingsmännchen ein größeres Gehirn als die Weibchen und kümmerten sich als einziges Elternteil um Gelege und Brut, erläutert Kieran Samuk von der University of British Columbia in Vancouver. Bei der neuen Stichlingsvariante bleibe der Nachwuchs dagegen sich selbst überlassen. Daher sei zu vermuten, „dass das größere Gehirn die für Pflege und Schutz der Jungen nötige Leistungsfähigkeit bereitstellt“.

Samuk und sein Doktorvater Dolph Schluter studierten verschiedene kanadische Populationen des Dreistachligen Stichlings (Gasterosteus aculeatus). Darunter waren auch Vertreter einer Variante, die auf dem besten Weg zu einer eigenständigen neuen Art ist. Bei den Männchen dieser Variante färbt sich der Bauch zur Laichzeit nicht wie üblich leuchtend orange, sondern weiß.

Foto zeigt 2 Stichlinge, einer mit orangefarbenem Bauch und etwas größer als der andere mit weißlichem Bauch, in einem HandtellerFoto: Kieran Samuk/UBC

Wie die Forscher im Fachblatt „Ecology and Evolution“ berichten, ist das Gehirn der weißen Stichlingsmännchen kaum halb so schwer wie das der orangefarbenen Männchen. Selbst unter Berücksichtigung des insgesamt etwas kleineren Körpers verbleibt ein deutlicher Unterschied. Was die Gehirnmasse betrifft, sind bei der weißen Variante als Folge die Weibchen leicht im Vorteil.

Wahrscheinlich habe die Abspaltung der weißen Stichlingsvariante von der gängigen Form erst vor rund 10.000 Jahren begonnen, so Samuk weiter. „Unsere Studie zeigt daher, dass Gehirne sich binnen relativ kurzer Zeit auf drastische Weise verändern können.“ Wie der Zusammenhang zwischen Gehirngröße und Brutpflege genau aussehe und welche anderen Faktoren von Bedeutung seien, müsse in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Forschung: Kieran Samuk, Davis Iritani und Dolph Schluter, Department of Zoology und Biodiversity Research Centre, University of British Columbia, Vancouver

Veröffentlichung Ecology and Evolution, DOI 10.1002/ece3.1175

WWW:
Schluter Lab, University of British Columbia
Stichling – Reviergründung und Fortpflanzung
Nestbau: Stichlinge mögens bunt

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Unter Verwandten schwimmt es sich besser

Posted in: Biologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (3 Bewertungen, im Schnitt 4,67 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.