Posted in: Geologie 6. August 2014 05:00 Weiter lesen →

Eisberg-Riesen auf Grund gelaufen

Foto zeigt hoch aufragenden, unregelmäßig geformten Eisberg im dunkel erscheinenden Meer Die Spuren riesiger Eisberge haben Bremerhavener Forscher im Nordpolarmeer gefunden. Ein Bergrücken am dortigen Meeresgrund, heute rund 1.200 Meter unter der Wasseroberfläche gelegen, weist demnach mehrere tiefe und lange Kratzer auf. Diese müssen von Eisbergen stammen, die sehr viel mehr Tiefgang hatten als heutige Rekordexemplare.

Foto: Frank Rödel, Alfred-Wegener-Institut

„Wenn Eisberge auf Grund laufen, hinterlassen sie auf dem Meeresboden Furchen, die je nach Ausdehnung und Lage über lange Zeiträume bestehen bleiben können“, erklärt Jan Erik Arndt vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. „Solche Spuren erlauben uns einen Blick in die Vergangenheit.“

Arndt und Kollegen fanden die Kratzspuren bei der Analyse von Daten, die bereits im Jahr 1990 gesammelt worden waren. Damals hatte das Forschungsschiff Polarstern die Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen kartiert. Mitten in diesem Gebiet ragt der Hovgaard-Rücken einige Hundert Meter über den Meeresgrund empor. An diesem untermeerischen Rücken, in gut 1.200 Metern Tiefe, entdeckten die Forscher Furchen mit einer Länge von bis zu 4 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 15 Metern.

Grafik zeigt farbcodierte 3-D-Ansicht des Rückens mit mehreren tiefen Furchen Grafik: Alfred-Wegener-Institut

Heutige Eisberge im Südpolarmeer bringen es auf bis zu 700 Meter Tiefgang. Während der letzten Vereisungsperioden trieben hingegen gewaltige Exemplare mit einem Tiefgang von mindestens 1.080 Metern durch die Framstraße als einziger Tiefwasserverbindung zwischen dem Arktischen Ozean und den übrigen Weltmeeren, folgern Arndt und Kollegen. Demnach müsse nicht nur der Rand der Eisschilde in der Region bis zu 1.200 Meter dick gewesen sein. Auch müssten große Süßwassermengen in Form von Eisbergen in den Nordatlantik gelangt sein. Wann genau die eisigen Riesen in der Framstraße unterwegs waren, ist derzeit allerdings noch offen.

Forschung: Jan Erik Arndt, Frank Niessen, Wilfried Jokat und Boris Dorschel, Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, DOI 10.1002/2014GL060267

WWW:
Alfred-Wegener-Institut
Eisberge
Hovgaard Ridge

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Eisige Pflüge
Eisberge im subtropischen Atlantik

Posted in: Geologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 4,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.