Posted in: Biologie 31. Juli 2014 08:33 Weiter lesen →

Krake wacht mehr als 4 Jahre über seine Brut

Foto zeigt gut ellenlangen Kraken, auf einem weißen Eigelege an einem dunkelbraunen Fels Tintenfische sind dafür bekannt, dass sie ausdauernd auf ihre Brut aufpassen. Eine extreme Ausprägung dieses Verhaltens haben amerikanische Meeresbiologen in der Tiefsee des Pazifiks beobachtet. Über 53 Monate konnten sie verfolgen, wie ein Krakenweibchen über sein langsam heranreifendes Eigelege wachte – und dabei selbst zusehends an Substanz verlor.

Bild: (C) MBARI 2007

„Für einen Oktopoden endet die Brutfürsorge unausweichlich mit dem Tod“, schreiben die Forscher um Bruce Robison vom Monterey Bay Aquarium Research Institute im Fachblatt „PLoS ONE“. In dem nun studierten Fall sei diese Periode jedoch extrem ausgedehnt, sodass sich der Nachwuchs im Ei besonders weit entwickeln könne. Während ihre Mutter die ganze Zeit über keine Nahrung zu sich nehme, könnten die Jungkraken daher gleich nach dem Schlüpfen auf die Jagd gehen.

Robison und Kollegen gelang ihre Beobachtungsserie im Monterey Canyon vor Kalifornien. Im April 2007 filmten sie mit einem Tauchroboter einen Kraken der häufig vorkommenden Art Graneledone boreopacifica. Das Weibchen bewegte sich in 1.400 Metern Tiefe über den sedimentbedeckten Meeresgrund auf einen nackten Felsen zu. Einen Monat später fanden sie dasselbe Tier – erkennbar an mehreren Narben – mit zusammengerollten Armen über einem frischen Eigelege an diesem Felsen hockend.

In den folgenden 53 Monaten schickten die Forscher ihren Tauchroboter 18 weitere Male zu dem Fels am Meeresgrund. So konnten sie dokumentieren, wie sich der gut behütete Krakennachwuchs in den größer werdenden Eikapseln entwickelte. Gleichzeitig nahm das Weibchen stetig ab, seine Augen wurden trüb und seine anfangs kräftig violett gefärbte Haut wurde bleich und schlaff. Nahrung war in Form von Krebsen reichlich vorhanden, zeigten die Kamerabilder. Doch wenn das Weibchen gelegentlich nach einem dieser Krebse langte, dann lediglich, um ihn wegzuschieben. Bei einem letzten Besuch im Oktober 2011 fand der Tauchroboter nur noch leere Eikapseln vor, das Weibchen war verschwunden.

„Die 53-monatige Brutfürsorge übertrifft bei weitem sämtliche Angaben in der Literatur“, schreiben Robison und Kollegen. Der höchste Wert für Kraken sei im Labor mit 14 Monaten gemessen worden, Fische im Südpolarmeer brächten es auf bis zu 5 Monate und der Kaiserpinguin als ausdauerndster Brüter unter den Vögeln auf etwa 2 Monate. Das neue Resultat sei umso erstaunlicher, als die meisten Kopffüßer im flacheren Wasser höchstens 2 Jahre alt würden.

Forschung: Bruce Robison, Monterey Bay Aquarium Research Institute, Moss Landing; Brad Seibel, Departement of Biological Sciences, University of Rhode Island, Kingston; Jeffrey Drazen, Department of Oceaography, University of Hawaii, Honolulu

Veröffentlichung PLoS ONE 9(7): e103437, DOI 10.1371/journal.pone.0103437

WWW:
Monterey Bay Aquarium Research Institute
Monterey Canyon
Graneledone boreopacifica

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Zehnarmige Brutfürsorge
Tiefsee: Fische und Kraken „brüten“ in enger Nachbarschaft

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