Posted in: Psychologie, Soziales 24. Juli 2014 16:06 Weiter lesen →

Lohnenswerter Kontakt

Grafik zeigt männliches Gesicht zwischen einem grauen und einem blauen Quadrat, nach rechts blickend Vom Tratsch auf dem Bürgersteig über gemeinsamen Sport bis hin zu Kneipenabenden – Menschen tauschen sich gern mit anderen aus, selbst wenn sie daraus keinen direkten Nutzen ziehen. Einen Grund für diese Kontaktfreude haben Forscher aus Jülich und Köln gefunden. Schon die vermeintliche Interaktion mit einem anderen Menschen reichte aus, um bei ihren Versuchsteilnehmern das Belohnungssystem im Gehirn zu aktivieren.

Grafik: Forschungszentrum Jülich

Frühere Studien hätten bereits Hinweise auf eine Rolle des Belohnungssystems beim Erleben sozialer Interaktionen geliefert, erklärt Ulrich Pfeiffer vom Universitätsklinikum Köln und vom Forschungszentrum Jülich. „Ein eindeutiger Beleg stand bisher allerdings noch aus, was unter anderem daran liegt, dass Untersuchungen im Magnetresonanztomografen die Bewegungsfreiheit stark einschränken.“ Pfeiffer und seine Kollegen lösten dieses Problem, indem sie bloße Augenbewegungen als Mittel zur Kontaktaufnahme einsetzten.

Die Forscher kartierten die Gehirnaktivität ihrer Versuchsteilnehmer, während diese in der Röhre eines Kernspintomografen lagen und auf einen Bildschirm blickten. Darauf zu sehen waren ein animiertes Gesicht sowie links und rechts davon zwei Punkte. Je nachdem, auf welchen Punkt die Teilnehmer gerade blickten, schaute auch das computergesteuerte Gesicht öfter auf diesen Punkt. Der Grad der Abstimmung variierte und ging mitunter so weit, dass die Teilnehmer glaubten, die Blickrichtung des Gesichts werde tatsächlich von einem menschlichen Partner kontrolliert.

Kernspinbilder zeigen Quer- und Längsschnitt durch ein Gehirn, darin zwei Bereiche gelb markiert Grafik: Forschungszentrum Jülich

In diesen Fällen stellten die Forscher eine verstärkte Nervenaktivität an der Basis der beiden Großhirnhälften fest, in einer als ventrales Striatum bezeichneten Region. Sie gehört zu einem ganzen System von Gehirnregionen, das Tätigkeiten wie Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr mit der Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin belohnt. Auch in dem hinter der Nasenwurzel liegenden Bereich der Großhirnrinde, dem medialen orbitofrontalen Kortex, ging der vermeintliche soziale Kontakt mit erhöhter Aktivität einher. Dieser Bereich ist unter anderem beteiligt, wenn das Gehirn den Zusammenhang zwischen einer Handlung und einem angenehmen Resultat lernt.

Je kooperativer sich das virtuelle Gegenüber verhielt, umso stärker war der Effekt auf die Gehirnaktivität, berichten Pfeiffer und Kollegen im Fachblatt „NeuroImage“. Ihrer Ansicht nach lässt sich die neue Methode nicht nur in der Forschung einsetzen. Autistische Personen könnten mit ihrer Hilfe lernen, einen normalen Blickkontakt mit anderen Menschen zu halten.

Forschung: Ulrich J. Pfeiffer und Kai Vogeley, Zentrum für Neurologie und Psychiatrie, Uniklinik Köln, und Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Forschungszentrum Jülich; und andere

Veröffentlichung NeuroImage, Vol. 101, pp 124–37, DOI 10.1016/j.neuroimage.2014.06.061

WWW:
Arbeitsgruppe Bildgebung, Kai Vogeley
Kognitive Neurowissenschaften, Forschungszentrum Jülich
The Reward Circuit

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