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Entwickelt: Der Gänsehaut-Sensor

Foto zeigt transparenten Film auf Haut, eingebettet feine Spiralen, Leiterbahnen [1] Koreanische Forscher haben eine Technik entwickelt, um körperliche und geistige Erregungszustände schnell und einfach zu registrieren. Ihr Gänsehaut-Sensor wird auf die Haut geklebt und produziert ein elektrisches Signal, wenn sich die charakteristischen Buckel bilden und er dadurch verformt wird.

Foto: Young-Ho Cho/KAIST

Werbeagenturen und Produktdesigner könnten den Sensor einmal nutzen, um beim Konsumenten besonders effektiv einen Schauer der Erregung auszulösen, erklärt Young-Ho Cho von der KAIST-Universität in Daejeon. „Menschliche Emotionen werden in Zukunft ganz selbstverständlich als biometrische Information betrachtet werden, wie etwa die Körpertemperatur oder der Blutdruck“, ist der Forscher überzeugt.

Eine Gänsehaut entsteht, indem sich die feinen Haarmuskeln in der Haut schlagartig zusammenziehen und den Haarflaum aufrichten. Cho und seine Arbeitsgruppe erfassen die resultierenden Erhebungen in der Hautoberfläche mit einem 2 mal 2 Zentimeter kleinen, elastischen Film aus transparentem Silikon. Darin eingelagert sind wenige Mikrometer dünne Doppelspiralen aus einem elektrisch leitfähigen Polymer.

Jede Doppelspirale funktioniert wie ein elektrischer Kondensator und kann umso mehr elektrische Ladung fassen, je dichter ihre beiden Leiterbahnen aneinander liegen. Wird eine Spirale nun durch einen Gänsehaut-Buckel ausgebeult, vergrößert sich der Abstand zwischen ihren beiden Leitern minimal und die Kapazität des Kondensators sinkt.

Erste Labortests, bei denen ein junger Mann Eiswürfel in die Hand nahm, bestätigten die Funktionstauglichkeit des Sensors. Wenige Sekunden nach dem Eiskontakt stellte sich die erwartete Gänsehaut ein. Gleichzeitig sank die elektrische Kapazität des Sensors auf dem Unterarm des Freiwilligen um 6 bis 9 Mikrofarad, berichten die Forscher im Fachblatt „Applied Physics Letters“. Je höher die feinen Hautbuckel waren, desto stärker sprach der Sensor an.

Forschung: Jaemin Kim, Dae Geon Seo und Young-Ho Cho, Department of Bio and Brain Engineering, KAIST, Daejeon

Veröffentlichung Applied Physics Letters, Vol. 104, Artikel 253502, DOI 10.1063/1.4881888 [2]

WWW:
N/MEMS Group, Young-Ho Cho [3]
Gänsehaut [4]
Kondensator und Kapazität [5]

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Ersatzgefühl in der Haut [6]
Filter für feinfühlige Finger [7]