Posted in: Paläontologie 24. Juni 2014 17:36 Weiter lesen →

Paläontologen finden bizarren Blutsauger

Foto: Bo Wang/CAS Nanjing Fliegen können nicht nur lästig sein, manche Vertreter ernähren sich als Schmarotzer auch vom Gewebe lebender Wirte. Das war schon zur Blütezeit der Dinosaurier so, belegt ein bizarrer Fund im Norden Chinas. Ein internationales Forscherteam barg dort das Fossil einer jurazeitlichen Fliegenlarve, deren Brust zu einem imposanten Saugnapf umgestaltet ist.

Bild: Bo Wang/CAS Nanjing

Mit diesem Saugnapf konnte sich die Larve an einen Wirt heften und dann durch ihren Saugstachel, bestehend aus den ebenfalls stark umgestalteten Mundwerkzeugen, dessen Blut trinken. „Es gibt heute kein Insekt mehr, das über einen vergleichbaren Körperbau verfügt“, erklärt Bo Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Nanjing, derzeit an der Universität Bonn tätig. Der Paläontologe und seine Kollegen stellen ihre Entdeckung im Fachblatt „eLIFE“ vor.

Die rund 2 Zentimeter lange Fliegenlarve lebte vor rund 165 Millionen Jahren in einer Seenlandschaft in der heutigen Inneren Mongolei. In dem feinkörnigen Sedimentgestein blieb sie als Fossil in allen Details erhalten – wie auch Abertausende weiterer Insekten sowie zahllose Salamander. Mit ihrer dünnen Haut könnten diese Lurche das bevorzugte Ziel des Qiyia jurassica getauften Parasiten gewesen sein, vermuten die Forscher.

Zeichnung der Fliegenlarve, raupenähnlich, aber mit großer Saugscheibe am Vorderende und winzigem, spitz zulaufendem Kopf Grafik: Yang Dinghua/CAS Nanjing

Erstaunlicherweise wurden in dem versteinerten Gewässergrund bislang keine Fossilien von Fischen gefunden. Wang und Kollegen vermuten daher, dass die jurazeitlichen Seen ein ganz besonderes ökologisches System darstellten, in dem sich Fliegen mangels Fressfeinden extrem stark vermehren konnten. Die Frage, wie die parasitäre Fliege nach ihrer Metamorphose zum erwachsenen Fluginsekt ausgesehen und gelebt haben mag, können die Forscher derzeit allerdings noch nicht beantworten.

Forschung: Bo Wang, Torsten Wappler und Jes Rust, Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, und Nanjing Institute of Geology and Palaeontology, Chinese Academy of Sciences, Nanjing; und andere

Veröffentlichung eLIFE, DOI 10.7554/elife.02844

WWW:
Steinmann-Institut, Uni Bonn
State Key Laboratory of Palaeobiology and Stratigraphy, Nanjing
Tiaojishan Formation
Super-sized fleas adapted to feed off dinosaurs

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Parasiten: Ungeliebte Macht

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