Posted in: Gesundheit, Medizin 17. Juni 2014 21:10 Weiter lesen →

Alkohol verschlechtert die Sicht

Foto zeigt Nahaufnahme eines menschlichen Auges mit weißer Bindehaut und blau-grüner Iris Alkohol trübt die Sicht nicht nur im übertragenen Sinn durch seinen Einfluss auf das Gehirn, zeigen Experimente spanischer Forscher. Nachdem ihre Versuchsteilnehmer reichlich Wein getrunken hatten, wiesen ihre Augen einen dünneren Tränenfilm auf. Damit verschlechterte sich auch die Qualität des Bilds auf der Netzhaut.

Foto: Petr Novák, Wikipedia, via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic)

Dieser Umstand könnte sich gerade in der Dämmerung oder in der Nacht stark auswirken, wenn ein Fahrer es mit einzelnen Lichtquellen vor dunklem Hintergrund zu tun habe, erläutert José Juan Castro von der Universität Granada. Die neuen Resultate ständen daher im Einklang mit der Unfallstatistik: „Alkoholkonsum und schlechte Lichtverhältnisse spielen bei vielen Verkehrsunfällen eine Rolle“, so der Forscher.

Castro und seine Kollegen führten ihre Versuche mit 67 jungen Erwachsenen durch, die unterschiedliche Mengen guten Rotweins trinken durften. Davor und danach projizierten die Forscher einen kreisrunden Lichtfleck in jedes Auge der Teilnehmer und bestimmten anhand der Form des an der Netzhaut reflektierten Flecks, wie unregelmäßig das Licht auf seinem Weg durch Hornhaut, Linse und Glaskörper gebrochen wurde. Zudem maßen sie das Volumen des Tränenfilms und testeten, wie gut die Teilnehmer kleine Lichtquellen neben einer großen Lichtquelle erkennen konnten.

Bei allen Versuchsteilnehmern verschlechterten sich durch Alkoholkonsum zumindest einzelne Messparameter, berichten die Forscher im „Journal of Ophthalmology“. Umfassend war der Effekt dagegen bei jenen Personen, deren Atemluft mehr als 0,25 Milligramm Alkohol pro Liter enthielt – entsprechend mehr als 0,5 Promille Blutalkohol. Verglichen mit dem nüchternen Zustand, nahm das Volumen ihres Tränenfilms um fast 10 Prozent ab und die optische Abbildungsqualität ihrer Augen ging zurück. Während diese Personen im nüchternen Zustand 25 Prozent der kleineren Lichtquellen nicht erkennen konnten, lag der Anteil im alkoholisierten Zustand bei 42 Prozent.

Indem der getrunkene Alkohol auch in der Tränenflüssigkeit auftauche, beeinflusse er die physikalisch-chemischen Eigenschaften des Tränenfilms, schreiben die Forscher. Insbesondere könne er die fettige „Haut“ des Films stören. Der Tränenfilm verdunste dadurch schneller, verliere an Dicke und könne Unebenheiten in der Hornhaut weniger gut ausgleichen. Als Folge sei im Netzhautbild jede Lichtquelle von einem umso stärker ausgeprägten Lichtkranz umgeben, so Castro weiter. Dieser Effekt könne dazu beitragen, dass ein Verkehrsschild nicht richtig entziffert oder ein Fußgänger zu spät erkannt werde.

Forschung: José Juan Castro und Luis Jiménez del Barco, Departamento de Óptica, Universidad de Granada; und andere

Veröffentlichung Journal of Ophthalmology, Vol. 2014, ID 704823, DOI 10.1155/2014/704823

WWW:
Laboratory of Vision Sciences and Applications, Universität Granada
Aberrations of the Eye
Blutalkohol

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Elastische Haut schützt Tränenfilm
Proteom der Hornhaut durchleuchtet

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