Posted in: Gesundheit, Medizin 24. April 2014 10:28 Weiter lesen →

Herzrasen zur besten Sendezeit

Grafik zeigt idealisierte EKG-Kurve bei ventrikulärer Tachykardie Herzrhythmusstörungen treten nicht zu jeder Tages- und Jahreszeit mit gleicher Wahrscheinlichkeit auf. Entsprechende Daten liefert eine Studie deutscher Forscher. Besonders auffällig war dabei eine starke Häufung von Kammerflimmern gegen 20 Uhr. Über das Jahr gesehen waren solche Episoden im April und September besonders häufig.

Grafik: Madhero88 via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Die abendliche Häufung hänge vielleicht mit tageszeitlichen Schwankungen im Hormonspiegel oder mit typischen Zeiten für die Einnahme von Herzmedikamenten zusammen, erklärt Eimo Martens, der die Untersuchung am Klinikum der Universität München durchgeführt hat. „Saisonale Veränderungen der Witterung könnten ebenfalls eine Rolle spielen“, so der Kardiologe, etwa infolge häufigerer Infekte zu bestimmten Jahreszeiten. Martens und seine Kollegen stellen ihre Studie auf der Jahrestagung der deutschen Kardiologen in Mannheim vor.

Die Mediziner und Ingenieure analysierten Daten von 1.534 Defibrillatoren, die Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen eingepflanzt worden waren. Die Geräte verabreichen einen kleinen Stromschlag im Brustraum, wenn sich das Herz übermäßig schnell zu kontrahieren beginnt und nicht mehr ausreichend Blut durch den Kreislauf pumpt. Auf diese Weise kann eine Bewusstlosigkeit oder gar ein plötzlicher Herztod verhindert werden.

Die Forscher analysierten fast 3.600 Episoden von ventrikulären Tachykardien – von den Herzkammern ausgehendes Herzrasen – und mehr als 800 Episoden von Kammerflimmern. Bei letzteren schwankte die stündliche Häufigkeit nur mäßig um den Durchschnittswert von 35 Episoden pro Stunde, lediglich gegen 20 Uhr zeigte sich ein kurzer, aber umso stärkerer Ausschlag auf 90 Ereignisse pro Stunde. Ähnliche Häufungsspitzen fanden sich bei der Monatsanalyse in April und September, in diesem Fall auch für ventrikuläre Tachykardien.

Einen Zusammenhang mit der körperlichen Aktivität der Patienten konnten Martens und Kollegen allerdings nicht herstellen. Daher sei es nun an weiteren Studien, die Ursachen für die tages- und jahreszeitlichen Schwankungen und damit mögliche weitere Risikofaktoren für einen plötzlichen Herztod zu identifizieren, folgern die Forscher.

Forschung: Eimo Martens und Stefan Kääb, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München; Regina Freeden, Medtronic, Meerbusch; und andere

Präsentation auf der 80. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Mannheim/Clinical Research in Cardiology 103, Suppl. 1, DOI 10.1007/s00392-014-1100-9

WWW:
Medizinische Klinik und Poliklinik I, LMU München
Herzrhythmusstörungen

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