Posted in: Biologie, Genetik 22. April 2014 15:36 Weiter lesen →

Arten-Inseln im Gebirge

Die Bergwelt kann Tierarten ähnlich isolieren wie Inseln im Meer. So ist es einer bisher unbekannten Echsenart ergangen, die Forscher in Kenia entdeckt haben.

Die auf den Namen „Adolfus masavaensis“ getaufte Echse lebt am Mount Elgon, dem vierthöchsten Bergmassiv Ostafrikas auf der Grenze zwischen Kenia und Uganda. Zoologen aus Deutschland, den USA, Südafrika und Kenia analysierten die Gene der Echsen und verglichen sie mit dem Erbgut verwandter Reptilien angrenzender Gebirgszüge.

Ein zweites Vorkommen der neuen Art wurde auf den mehrere hundert Kilometer entfernten Aberdare Bergen identifiziert. Diese liegen dem nur wenige Kilometer entfernten Mount Kenya gegenüber, wo ebenfalls Echsen leben. Diese gehören allerdings der bereits bekannten Art „Adolfus alleni“ an.

Die neue Art Adolfus masavaensis aus dem Aberdare Gebirge. Foto: W.R.Branch /Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig Adolfus_masavaensis_400

„Dieses Verbreitungsmuster hat uns etwas überrascht, denn eigentlich rechneten wir mit drei deutlich getrennten Populationen auf den drei Berggipfeln und so ganz erklären können wir es noch nicht“, sagt Philipp Wagner vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn. „Es wird wahrscheinlich so sein, dass durch wechselnde Klimabedingungen die Trennung zwischen Kenya und Aberdares sehr viel konstanter war, da zwischen den beiden Gipfeln nur Tiefland liegt. Zwischen den Aberdares und dem Elgon liegen aber andere Höhenzüge, über die die Tiere noch länger hin und her wandern konnten.“

Ist es bei Inseln das umliegende Meer, das die Arten in ihrer Ausbreitung begrenzt, sind es bei Hochgebirgsarten offenbar die tieferen Lagen. Wenn die betreffenden Arten zu stark spezialisiert sind, werden die unterschiedlichen Lebensräume zu unüberwindlichen Hürden. Auf den Berggipfeln entstehen so „Himmelsinseln“, die nah verwandte Arten voneinander isolieren.

Für den Arten- und Naturschutz hat so eine Entdeckung Folgen, meint Wagner: „Bisher wurde sich in Afrika vorwiegend mit der Vielfalt und dem Schutz der Regenwälder beschäftigt. Unsere neue Art zeigt aber einmal mehr, dass die Artenvielfalt in den Trockengebieten und Hochgebirgsregionen stark unterschätzt wird. Gerade in diesen Gebieten müssen wir unsere Forschungen intensivieren, um dem Naturschutz Antworten auf die Frage nach schutzwürdigen Lebensräumen geben zu können.“

Die Zoologen stellen ihren Fund in der Fachzeitschrift „Salamandra“ vor.

Forschung: Philipp Wagner, Eli Greenbaum, Patrick Malonza, Bill Branch; Veröffentlichung in „Salamandra“ Vol. 50(1), pp 1–17

WWW:
Veröffentlichung in Salamandra
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

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