Posted in: Chemie, Medizin 4. April 2014 15:05 Weiter lesen →

Mäuse riechen Immunreaktion

Foto zeigt Porträtaufnahme einer Maus Eine Impfung verändert den Körpergeruch – zumindest bei Mäusen. Das haben amerikanische Forscher festgestellt. Mäuse sind demnach in der Lage, geimpfte und nicht geimpfte Artgenossen allein anhand ihres Uringeruchs auseinanderzuhalten.

Foto: Rama via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 France)

Damit nicht genug, können die Tiere in groben Zügen sogar nach der Art der Impfung unterscheiden, fanden Bruce Kimball vom National Wildlife Research Center in Philadelphia und seine Kollegen. Offenbar wirke sich eine Aktivierung des Immunsystems darauf aus, welche flüchtigen Substanzen der Körper produziere und abgebe, folgern die Forscher im Fachblatt „Physiology & Behavior“.

Kimball und Kollegen impften Mäuse mit abgetöteten Tollwutviren oder abgeschwächten West-Nil-Viren, um eine Immunreaktion hervorzurufen. Dann versuchten sie, andere Mäuse so zu trainieren, dass sie in einem sich gabelnden Gang stets den Uringeruch von geimpften bzw. ungeimpften Artgenossen ansteuerten, um eine Belohnung zu erhalten. Das Experiment gelang.

Einen ähnlichen Effekt zeitigten bakterielle Zellwandmoleküle (Lipopolysaccharide) zur Aktivierung des Immunsystems. Erstaunlicherweise konnten die Mäuse anhand des Uringeruchs sogar unterscheiden, ob Artgenossen mit Viren oder aber mit den bakteriellen Molekülen konfrontiert worden waren. Eine Unterscheidung zwischen Tollwut- und West-Nil-Viren war ihnen dagegen nicht möglich.

Erste Tests ergaben, dass eine solche Unterscheidung auch technisch anhand der jeweiligen Chromatogramme – gewissermaßen der „Geruchsspektren“ – möglich ist. An der Identifizierung der jeweils charakteristischen Geruchsstoffe arbeiten die Forscher derzeit noch.

Die neuen Resultate „offenbaren eine weitere Art von Information, die im Körpergeruch codiert ist“, erklärt Kimballs Kollege Gary Beauchamp vom Monell Chemical Senses Center, ebenfalls in Philadelphia. „Die Voraussetzungen für eine solche Kommunikation sind wahrscheinlich auch beim Menschen gegeben, der entsprechende Nachweis erfordert jedoch noch viel Forschung.“

Forschung: Bruce A. Kimball, National Wildlife Research Center, US Department of Agriculture Animal Plant and Health Inspection Service, Philadelphia; Maryanne Opiekun, Kunio Yamazaki und Gary K. Beauchamp, Monell Chemical Senses Center, Philadelphia

Veröffentlichung Physiology & Behavior, Vol. 128, pp 80–5, DOI 10.1016/j.physbeh.2014.01.022, und Präsentation 36th Annual Meeting of the Association of Chemoreception Sciences, Bonita Springs

WWW:
Bruce Kimball, National Wildlife Research Center
Monell Chemical Senses Center
Body Odor

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