Posted in: Paläontologie 25. März 2014 14:10 Weiter lesen →

Vom Dahinsiechen der Mammuts

Foto zeigt mittelalten Mann im hellblauen Hemd, einen fußballgroßen Wirbelknochen präsentierend Mit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit setzte auch der Niedergang der Mammuts ein. Neue Einsichten in diesen Prozess ermöglichen Wirbelknochen, die niederländische und belgische Forscher untersucht haben. Etwa jedes dritte Mammut dürfte demnach Halsrippen besessen haben – ein Phänomen, das in dieser Häufigkeit auf Probleme durch extreme Inzucht und widrige Umweltbedingungen hindeutet.

Jelle Reumer zeigt einen der auffälligen Halswirbel. Foto: Natural History Museum of Rotterdam

„Halsrippen stehen bei Säugetieren mit Erkrankungen und Geburtsfehlern in Verbindung“, erläutern Jelle Reumer vom Naturhistorischen Museum Rotterdam und seine Kollegen. Ein solcher, besonders anfälliger Zustand der Population könne durchaus zum Aussterben des Mammuts beigetragen haben, folgern die Forscher im Fachblatt „Peer Journal“.

Den Anstoß für die neue Untersuchung gaben Halswirbel von Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius), die kürzlich bei Arbeiten zur Erweiterung des Rotterdamer Hafens ans Tageslicht gekommen waren. An zwei der drei Wirbel, jeweils von der untersten bzw. zweituntersten Position in der Halswirbelsäule, fanden Reumer und Kollegen zusätzliche Gelenkflächen für Rippen. Daraufhin untersuchten die Forscher sechs weitere Halswirbel aus verschiedenen Museumssammlungen und fanden noch ein Exemplar mit Ansatzflächen für Halsrippen. Solche Flächen zeigten sich dagegen nur bei einem von 28 Halswirbeln heutiger Elefanten.

Nahaufnahme eines großen, braunen Wirbelknochens mit seitlicher, glatter Ansatzfläche für eine Rippe Foto: Joris van Alphen

Halsrippen stellen an sich kein Problem dar und werden – meist zufällig – auch bei etwa jedem hundertsten Menschen entdeckt. Eine annähernd so große Häufigkeit wie bei den Mammuts aus dem Nordseegebiet werde jedoch nur bei hochgezüchteten Haus- und Nutztieren beobachtet, so die Forscher. Manche Hunderassen und Zwergschweine brächten es beispielsweise auf einen Anteil von 11 Prozent bei der Geburt.

Die neuen Resultate deuteten daher auf Probleme bei der vorgeburtlichen Entwicklung der letzten Mammuts hin, folgern Reumer und Kollegen. Solche Entwicklungsstörungen könnten wiederum durch Inzucht, Mangelernährung, Kälte sowie bestehende Erkrankungen bedingt sein. Tatsächlich seien bei früheren Untersuchungen an Überresten von Mammuts mangelbedingte Knochendefekte und eine geringe genetische Vielfalt festgestellt worden.

Forschung: Jelle W. F. Reumer, Natuurhistorisch Museum Rotterdam, und Faculteit Geowetenschappen, Universiteit Utrecht; Clara M. A. ten Broek und Frietson Galis, Naturalis Biodiversity Center, Leiden, und Departement Biologie, Universiteit Antwerpen

Veröffentlichung Peer Journal 2:e318, DOI 10.7717/peerj.318

WWW:
Natuurhistorisch Museum Rotterdam
Naturalis Biodiversity Center, Leiden
Elephants and Mammoths
Halsrippe

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