Posted in: Chemie, Medizin 20. März 2014 20:04 Weiter lesen →

Neuer Wirkstoff-Kandidat gegen Glioblastome

Kernspinbild zeigt Querschnitt des Großhirns mit einem großen raumfordernden Tumor in einer Hälfte Eine Substanz, die in den 40er-Jahren zur Behandlung der Malaria entwickelt wurde, kann vielleicht im Kampf gegen einen bösartigen Hirntumor helfen. Das haben schwedische Forscher bei groß angelegten Tests entdeckt. Zellen des Glioblastoms reagieren auf die Verbindung, indem sie regelrecht Blasen werfen und platzen.

MRT-Aufnahme: Christaras A via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

„Dies ist ein völlig neuer Wirkmechanismus für eine Krebstherapie“, erklärt Patrik Ernfors vom Stockholmer Karolinska-Institut. Der Effekt trete bereits bei einer Konzentration ein, bei der normale Körperzellen, Stammzellen und auch Zellen anderer Krebsarten keine Reaktion zeigen, berichten der Mediziner und seine Kollegen im Fachblatt „Cell“. Tests an Fischen und Mäusen seien ebenfalls günstig verlaufen, sodass man nun erste klinische Studien ins Auge fassen wolle.

Glioblastome wachsen schnell und wuchern in das umliegende Hirngewebe. Selbst durch eine aggressive Kombination aus Bestrahlung, Chemotherapie und Operation lassen sie sich kaum unter Kontrolle bringen, da der Tumor fast immer aus wenigen verbliebenen Zellen nachwächst. Die meisten Patienten sterben binnen 2 Jahren nach der Diagnose.

Gezielte Suchen nach Wirkstoffen waren bislang erfolglos geblieben. Ernfors und Kollegen testeten daher aufs Geratewohl eine Palette von 1.364 unterschiedlichen chemischen Verbindungen. Tatsächlich hemmten einige davon in niedriger Konzentration das Wachstum von Glioblastom-Zellkulturen, nicht jedoch das von normalen Bindegewebszellen. Eine dieser Verbindungen, ein Abkömmling des Chinolins, fiel durch besonders günstige Eigenschaften auf.

Grafik zeigt Strukturformel des Vacquinol-Grundgerüsts Das Grundgerüst der „Vacquinole“, für Vacquinol-1 ist R1=H, R2=Cl. Grafik: Patrik Ernfors and colleagues

Die von den Forschern als „Vacquinol-1“ bezeichnete Substanz bringt Glioblastomzellen dazu, im Übermaß kleine Bläschen nach innen aus ihrer Zellmembran abzuschnüren. Als Folge wachsen in der Zelle große Flüssigkeitsblasen, sogenannte Vakuolen, bis die Zellen schließlich aufreißen und zugrunde gehen. Erste Tests an Mäusen, denen menschliche Glioblastomzellen injiziert worden waren, verliefen erfolgreich: 6 von 8 Tieren, die die Verbindung erhielten, lebten 80 Tage nach Versuchsbeginn noch. Bei unbehandelten Tieren lag die mittlere Überlebenszeit dagegen bei etwa 30 Tagen.

„Wir wollen nun versuchen, das Resultat unserer Grundlagenforschung bis in das klinische Stadium zu entwickeln“, so Ernfors weiter. Eine Herausforderung sei es, den Spielraum zwischen einer gegen den Tumor wirksamen und einer den Gesamtorganismus schädigenden Konzentration weiter zu vergrößern, schreiben der Mediziner und seine Kollegen. Zudem müsse geklärt werden, wie genau die Verbindung die Tumorzellen manipuliere. Möglicherweise lasse sich dieses Wirkprinzip ja auch auf andere Krebsarten übertragen.

Forschung: Satish Srinivas Kitambi, Lars G. J. Hammarström und Patrik Ernfors, Division of Molecular Neurobiology und Chemical Biology Consortium Sweden, Division of Translational Medicine & Chemical Biology, Department of Medical Biochemistry and Biophysics, Karolinska Institutet, Stockholm; und andere

Veröffentlichung Cell, 20. März 2014, DOI 10.1016/j.cell.2014.02.021

WWW:
Patrik Ernfors Group, Karolinska Institutet
Chemical Biology Consortium Sweden
Glioblastom
NSC13316

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