Posted in: Biologie 17. März 2014 18:27 Weiter lesen →

Moos treibt nach 1.500 Jahren im Eis neu aus

Foto zeigt Mann mit Bodenbohrer, auf einer mächtigen Moosdecke stehend Moose sind ungeachtet ihres zierlichen Baus sehr zähe Gewächse. Das belegt ein Bohrkern, den englische Wissenschaftler in der Antarktis aus einem mehr als 1.500 Jahre alten Moospolster gezogen haben. Aufgetaut und im Labor unter lebensfreundlichen Bedingungen gelagert, wuchsen aus dem torfartigen Material frische grüne Stängel.

Foto: P. Boelen/Current Biology

„Unser Experiment zeigt, dass vielzellige Organismen – in diesem Fall Pflanzen – erheblich längere Zeiträume überdauern können als bisher angenommen“, erklärt Peter Convey vom British Antarctic Survey in Cambridge. Diese Fähigkeit sei ökologisch von enormer Bedeutung, so der Forscher, denn nach einer Vereisungsperiode wie etwa der Kleinen Eiszeit könne sich rasch erneut eine vielfältige Flora ausbreiten.

Convey und seine Kollegen Emse Roads und Royce Longton von der Universität Reading studierten Material von einer kleinen Insel der Südorkneys. Die Temperaturen klettern dort nur selten über den Gefrierpunkt, große Teile des Untergrunds sind nackter Stein oder aber von mächtigen Moosdecken bedeckt. Aus einer solchen Decke, gebildet von dem Laubmoos Chorisodontium aciphyllum, zogen die Forscher einen knapp 1,4 Meter langen Bohrkern.

Foto zeigt dunkelbraunen bis schwarzen Bohrkern, von Händen in orangefarbenen Handschuhen gehalten Foto: Esme Roads/British Antarctic Survey

Das älteste Pflanzenmaterial an der Basis des Bohrkerns war 1.530 bis 1.700 Jahre alt, ergab eine Radiokohlenstoffdatierung. Doch selbst dieses gefrorene und vermeintlich tote Material brachte nach dem Auftauen binnen weniger Wochen neue Stängel, Blättchen und Wurzelfäden hervor, berichten die Forscher im Fachblatt „Current Biology“.

Zwar hatten russische Forscher vor einiger Zeit über Pflanzen berichtet, die sie aus mehr als 30.000 Jahre altem Material herangezogen hatten. Dabei seien jedoch zunächst einige Zellen aus dem alten Gewebe isoliert und dann unter sehr speziellen Bedingungen vermehrt worden, so Convey und Kollegen. Die neuen Resultate liefert den mit Abstand ältesten Beleg für eine Regeneration aus eigener Kraft, schreiben die Forscher: „Und das Potenzial für ein noch längeres Überleben ist klar gegeben.“

Forschung: Esme Roads und Royce E. Longton, Plant Sciences Laboratories, School of Biological Sciences, University of Reading; Peter Convey, British Antarctic Survey, Cambridge, und Gateway Antarctica, University of Canterbury, Christchurch

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 24(6), R222, DOI 10.1016/j.cub.2014.01.053

WWW:
Herbarium, University of Reading
Signy Research Station, British Antarctic Survey
Moose: Dicranaceae
How Do Mosses Survive in Antarctica?

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Altes Moos belegt unnatürliche Erwärmung
Ein Kraut aus der Eiszeit

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