Posted in: Biologie, Chemie 27. Februar 2014 18:00 Weiter lesen →

Entschlüsselt: Eau de Bock

Porträtfoto zeigt Ziegenbock mit langen, gebogenen Hörnern und braun-weißem Fell Bei Ziegen und Schafen genügt schon der Geruch eines Bocks, um die Eierstöcke der weiblichen Tiere zu aktivieren. Japanischen Forschern ist es nun gelungen, den für diesen Effekt verantwortlichen Duftstoff zu identifizieren. Für Menschen riecht die Substanz nach Zitrusfrüchten.

Foto: LadyDragonflyCC via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Die Substanz, 4-Ethyloktanal, sei niemals zuvor in der Natur nachgewiesen worden, schreiben die Forscher um Yuji Mori von der Universität Tokyo im Fachblatt „Current Biology“. Ihre Entdeckung und der Nachweis ihrer Wirkung offenbarten eine neue Facette des Fortpflanzungssystem der Wiederkäuer – und könnten sich für die Züchtung als nützlich erweisen.

Werden sie allein gehalten, sind weibliche Ziegen und Schafe normalerweise nur in wenigen Monaten des Jahres empfängnisbereit. Das lässt sich jedoch ändern, indem man einen Bock lediglich in ihre Nähe bringt. In früheren Studien hatten Mori und Kollegen nachweisen können, dass dieser „Bockeffekt“ auf Duftstoffe zurückgeht, die in den Talgdrüsen der Kopfhaut und in den Horndrüsen gebildet werden.

Die Forscher machten sich nun daran, die verantwortlichen Duftstoffe zu identifizieren. Dazu stülpten sie Ziegenböcken eine eigens entwickelte Kappe über, um 1 Woche lang die Ausdünstungen der Kopfhaut aufzufangen. Bei der Analyse ihrer Beute fanden sie mehrere einfach gebaute Verbindungen, die bei intakten Böcken vorkommen, nicht jedoch bei kastrierten Geschlechtsgenossen.

Strukturformel des Geruchsstoffs

Die Synthese dieser Verbindungen und gezielte Tests führten schließlich zum 4-Ethyloktanal. Bekamen weibliche Tiere dieses Aldehyd zu riechen, so setzte schlagartig Aktivität in ihrem Hypothalamus ein. Als Folge schüttete die Hirnanhangsdrüse das Luteinisierende Hormon (LH) aus, das die Eierstöcke aktiviert und den Eisprung herbeiführt.

An der Luft wird das 4-Ethyloktanal allmählich zur zugehörigen 4-Ethyloktansäure oxidiert. Diese Verbindung hat den für Ziegenböcke typischen Geruch. Darüber hinaus ist sie bereits aus der Pheromonforschung bekannt, da sie weibliche Ziegen die Nähe eines Bocks suchen lässt. Eine einzige Substanz löse also eine körperliche und wenig später eine Verhaltensreaktion beim anderen Geschlecht aus, so Yukari Takeuchi, einer der Forscher: „Man ist versucht anzunehmen, dass es sich hierbei um eine ausgeklügelte Fortpflanzungsstrategie von Ziegenböcken handelt.“

Forschung: Ken Murata, Yukari Takeuchi und Yuji Mori, Department of Animal Resource Sciences, University of Tokyo; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 24, 17. März 2014, DOI 10.1016/j.cub.2014.01.073

WWW:
Laboratory of Veterinary Ethology, University of Tokyo
Ziegen
Biology of the Goat
Introduction to Pheromones

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