Posted in: Biologie, Wirtschaft 27. Januar 2014 16:33 0 Kommentare Weiter lesen →

Mehr Milch für Mädchen

Foto zeigt schwarz-weiß gescheckte Kuh auf grüner Wiese mit gelb blühendem Löwenzahn Kühe legen sich für weiblichen Nachwuchs etwas mehr ins Zeug als für männlichen. Entsprechende Belege haben amerikanische Forscher in Daten über die Leistung von rund 1,5 Millionen Milchkühen gefunden. Nach der Geburt eines weiblichen Kalbs gaben die Tiere einige Prozent mehr Milch als nach der Geburt eines Bullenkalbs – und das, obwohl Kuh und Kalb rasch voneinander getrennt werden.

Foto: Keith Weller, US Department of Agriculture

„Unsere Resultate liefern erstmals direkte Beweise dafür, dass das Geschlecht eines Fötus die Milchproduktion beeinflussen kann“, erklärt Barry Bradford von der Kansas State University. Gleichzeitig widersprächen die Milchdaten einer gängigen Hypothese zur geschlechtsabhängigen Investition in den Nachwuchs, so der Forscher. Beim Rind und anderen Tierarten mit einer ähnlichen Herden-Sozialstruktur sollten die Weibchen demnach höheren Aufwand für männliche Nachkommen betreiben, um die Weitergabe der eigenen Gene zu maximieren.

Die Gruppe um Bradford und seine Kollegin Katie Hinde von der Harvard-Universität analysierte 2,39 Millionen Datensätze über die Milchleistung von 1,49 Millionen Holstein-Milchkühen. In den 10 Monaten nach der Geburt ihres ersten Kalbs gaben die Tiere im Schnitt 7.612 Kilogramm Milch, wenn es sich um weiblichen Nachwuchs handelte. Nach einem Bullenkalb lag der Wert dagegen nur bei 7.470 Kilogramm – angesichts einer mittleren Streuung von 69 Kilogramm ein klarer Unterschied. Fett- und Proteingehalt waren in beiden Fällen jedoch gleich, berichten die Forscher demnächst im Fachblatt „PLoS ONE“.

Erstaunlicherweise machte sich dieser Unterschied nicht nur beim ersten, sondern auch bei den folgenden Kälbern bemerkbar. Eine Kuh, die zuerst einen Sohn und dann eine Tochter bekam, gab daher insgesamt weniger Milch als eine Kuh, die zunächst eine Tochter und dann einen Sohn bekam.

Wahrscheinlich gelangten vom Fötus und seiner Plazenta produzierte Hormone in den mütterlichen Blutkreislauf und beeinflussten so das Wachstum der Milchdrüsen, so Katie Hinde. Angesichts der engen Verzahnung von Plazenta und mütterlichen Blutgefäßen hält die Forscherin einen ähnlichen geschlechtsabhängigen Effekt auch beim Menschen für vorstellbar: „Systematisch untersucht worden ist das aber noch nicht.“

Forschung: Katie Hinde, Department of Human Evolutionary Biology, Harvard University, Cambridge, und Barry J. Bradford, Department of Animal Sciences and Industry, Kansas State University, Manhattan; und andere

Veröffentlichung PLoS ONE (im Erscheinen); Preprint Biorxiv, DOI 10.1101/002063

WWW:
Comparative Lactation Lab, Katie Hinde
- Boy Milk vs. Girl Milk
Homepage Barry Bradford, Kansas State University
Die Milchkuh

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kalorien, Kinder und Statistik
Mehr Kalorien, mehr Söhne

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