Posted in: Kultur, Technik 7. Januar 2014 15:28 Weiter lesen →

Verräterische Reflexionen

Blick auf Pupille und Iris eines Auges, darin sich spiegelnd mehrere Personen Fotografien können mehr enthüllen, als es manchen Menschen lieb sein dürfte. Entsprechende Hinweise liefert ein Experiment zweier britischer Psychologen. Das Spiegelbild im Auge einer fotografierten Person ermöglicht es demnach, Umstehende mit einiger Zuverlässigkeit zu identifizieren.

Bild: Jenkins R, Kerr C (2013). PLoS ONE 8(12): e83325.

Dieses Resultat sei schon allein deshalb bemerkenswert, da ein im Auge gespiegeltes Gesicht um den Faktor 30.000 kleiner sei als das Gesicht der eigentlich abgelichteten Person, erklärt Rob Jenkins von der Universität im englischen York. „Unsere Ergebnisse belegen somit die erstaunliche Robustheit der menschlichen Gesichtserkennung, aber auch das bislang ungenutzte Potenzial der hochauflösenden Fotografie.“

Jenkins und seine Kollegin Christie Kerr von der Universität Glasgow nutzten für ihre Versuche eine sehr hochwertige Digitalkamera mit 39 Millionen Bildpunkten. Damit machten sie Porträtaufnahmen aus 1 Meter Abstand, während sie selbst zwischen verschiedenen Personen standen. Aus den Porträts extrahierten sie die wenige Hundert Bildpunkte kleinen Spiegelbilder der Umstehenden, vergrößerten und glätteten sie und unterzogen sie einer Kontrastverstärkung.

Collage zeigt den Prozess vom Porträtfoto zum bearbeiteten Spiegelbild, zum Vergleich ein normales Foto Bilder: Jenkins R, Kerr C (2013). PLoS ONE 8(12): e83325.

Die resultierenden Bilder legten die beiden Psychologen einer Reihe von Versuchspersonen vor. Kannten diese das betreffende Gesicht, so konnten sie die reflektierte Person in 84 Prozent der Fälle identifizieren. Bei einem unbekannten Gesicht ermöglichte der Vergleich mit normalen Fotos mehrerer Personen eine Trefferquote von 71 Prozent.

Gerade für die kriminalpolizeiliche Arbeit könnten sich die kleinen Spiegelbilder als nützlich erweisen, folgern Jenkins und Kerr im Fachblatt „PLoS ONE“. Das gelte beispielsweise „wenn Geiselnehmer oder Kinderschänder ihre Opfer fotografieren“. Und wenn man die Spiegelbilder aus beiden Augen kombiniere, lasse sich vielleicht sogar ein dreidimensionales Abbild der Umstehenden rekonstruieren, so die beiden Forscher.

Forschung: Rob Jenkins, Department of Psychology, University of York, und Christie Kerr, School of Psychology, University of Glasgow

Veröffentlichung PLoS ONE 8(12): e83325. DOI 10.1371/journal.pone.0083325

WWW:
Rob Jenkins, University of York
School of Psychology, University of Glasgow
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1 Kommentar zu "Verräterische Reflexionen"

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  1. Alex sagt:

    Diese physikalische Tatsache läßt sich im übrigen auf nahezu jede spiegelnde Oberfläche anwenden. Ich fotografiere selbst und habe so einige Experimente gemacht mit spiegelungen, Pfützen, Glasscheiben, Autos oder sonstige reflektierende Sachen.
    Es ist schon sehr interessant wieviel und vor welche Informationen auf diesem Weg festgehalten werden können.