Posted in: Geologie, Physik 28. November 2013 14:15 Weiter lesen →

Seen unter Grönland-Eis entdeckt

Luftaufnahme zeigt leuchtend-hellblaue Schmelzwasserfläche auf zerfurchtem Eispanzer Englische und amerikanische Forscher haben erstmals Seen unter dem Eispanzer Grönlands entdeckt. Die beiden Seen liegen in mehreren Hundert Metern Tiefe im äußersten Nordwesten der Insel. Ihre Existenz verdanken sie vermutlich Schmelzwasser von der Oberfläche, das sich durch Risse im Eis seinen Weg bis zum Gesteinsfundament bahnt.

In den wärmeren Monaten bilden sich immer wieder Schmelzwasserseen auf dem grönländischen Eisschild. Foto: Michael Studinger, NASA GSFC, 2008

Solche subglazialen Seen spielten vermutlich eine wichtige Rolle für das Fließverhalten des Eisschilds, erklärt Steven Palmer von der Universität Cambridge. Unklar sei aber noch, warum sie auf Grönland offenbar sehr viel seltener seien als in der Antarktis, wo man das erste Exemplar schon vor Jahrzehnten entdeckt habe.

Palmer und Kollegen fanden die beiden Seen mithilfe eines speziellen Eisradars. An Bord eines Flugzeugs installiert, sendet das Gerät in rascher Folge Radarpulse zum Boden. Diese Pulse werden teils schon an der Eisoberfläche reflektiert, teils durchdringen sie das Eis und werden erst an Grenzflächen in der Tiefe zurückgeworfen. Die Laufzeit der verschiedenen Radarechos gibt Aufschluss über die Dicke der Eisschicht und die Gestalt des Untergrunds.

Bei einem Flug im Mai 2012 registrierten die Forscher 2 glatte und horizontale, gut 1,1 bzw. 2,4 Kilometer lange Grenzflächen in Eistiefen von knapp 760 bzw. 810 Metern, die sie als Seeoberflächen interpretieren. Gemessen an der Topographie des felsigen Untergrunds, dürften die beiden Seen rund 8 bzw. 10 Quadratkilometer groß sein, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Geophysical Research Letters“.

Die beinahe 400 bekannten subglazialen Seen in der Antarktis liegen typischerweise an Stellen, an denen der Druck des mächtigen Eispanzers den Schmelzpunkt des Wassers so weit senkt und der Wärmefluss aus dem Erdinnern so groß ist, dass sich Eis verflüssigen kann. Im Fall der grönländischen Exemplare dürfte die Temperatur an der Eisbasis allerdings bei minus 8 Grad Celsius und damit noch weit unter dem Schmelzpunkt von minus 0,7 Grad liegen, schätzen Palmer und Kollegen.

Der entscheidende Faktor dürfte ihrer Ansicht nach Schmelzwasser von der Oberfläche sein, das an der Unterseite des Eispanzers festfriert. Dabei könnte genügend Erstarrungswärme freigesetzt werden, um die Seen im flüssigen Zustand zu halten. Passend dazu offenbarten Satellitenaufnahmen einen 80 Hektar großen Schmelzwassersee auf dem Eisschild, der weniger als 2 Kilometer von einem der beiden subglazialen Seen entfernt liegt.

Forschung: Steven J. Palmer und Julian A. Dowdeswell, Scott Polar Research Institute, University of Cambridge; Donald D. Blankenship, Institute for Geophysics, University of Texas, Austin; Martin J. Siegert, School of Geographical Sciences, University of Bristol; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters (im Erscheinen), DOI 10.1002/2013GL058383

WWW:
Glaciology and Climate Change, University of Cambridge
Subglacial Lakes
Lakes of Meltwater Can Crack Greenland’s Ice

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ein „Grand Canyon“ unter dem Eis
Schmelzwasser könnte Gletscher bremsen

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