Posted in: Biologie 25. November 2013 18:21 Weiter lesen →

Qualle mit flexiblem Immunsystem

Die amerikanische Rippenquallen, ursprünglich vor der nordamerikanischen Küste heimisch, breitet sich seit einigen Jahren in Nord- und Ostsee aus. Den Erfolg könnte sie unter anderem ihrem Immunsystem verdanken, das lernfähig ist und bakterielle Feinde wiedererkennt.

Die nur wenige Zentimeter große und fast transparente Rippenqualle (Mnemiopsis leidyi) ernährt sich unter anderem von Fischeiern und -larven. Daher wurde anfangs befürchtet, eine rasche Ausbreitung könne negative Einflüsse auf die Fischbestände im Ostseeraum haben. Um die Widerstandsfähigkeit der Art zu testen, „impften“ Forscher vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und vom Institut für Klinische Molekularbiologie der Universität Kiel die Quallen mit unterschiedlichen Bakterien.

Rippenqualle_Mnemiopsis-leidyi_400 Rippenqualle aus der Kieler Förde, im Original 1,5cm groß. Foto: Javidpour Jamileh, GEOMAR

„Wir konnten zeigen, dass die Ausprägung von Immungenen nach einer zweiten Bakterieninjektion durch die erste Behandlung beeinflusst wird“, sagt GEOMAR-Forscher Sören Bolte. Die Antwort des Immunsystems falle unterschiedlich aus, je nachdem ob zweimal mit dem gleichen Bakterium oder zweimal mit verschiedenen Bakterien injiziert werde. Dies bedeute, dass es in diesen einfachen Tieren ein sogenanntes „spezifisches Immun Priming“ gibt, eine plastische Immunantwort, die unterschiedliche Bakteriengruppen erkennen und sich merken kann. Diese Fähigkeit ist bereits bei Insekten beobachtet worden, für solch primitive wirbellose Tiere wie die Rippenqualle aber vollkommen neu.

Ein flexibel reagierendes Immunsystem könnte dazu beitragen den Invasionserfolg der Rippenqualle zu erklären. „Natürlich müssen Randbedingungen wie Temperatur und Salzgehalt stimmen, aber die Fähigkeit sich gegen Feinde zu wehren, ist entscheidend für eine Art, die in eine neue Umgebung einwandert“, sagt Bolte. Die Meereswallnuss, wie die Rippenqualle auch genannt wird, verfüge offensichtlich nicht nur über eine hinreichende Anpassungsfähigkeit sondern auch über ein flexibel reagierendes Immunsystem.

Eine Gefahr scheinen die Quallen nicht zu sein: Sie haben sich in den vergangenen Jahren nicht in dem Maße in der Ostsee ausgebreitet, wie zunächst befürchtet wurde und sind derzeit vor allem in der Nordsee anzutreffen. Für den Menschen ist der Einwanderer ungefährlich.

Forschung: Bolte S., Roth, O., Philipp, E.E.R., Saphörster, J., Rosenstiel, P., Reusch, T.B.H.; Online-Veröffentlichung in Biology Letters, 20.11.2013, Vol. 9 No. 6 vom 23.12.2013

WWW:
Abstract in „Biology Letters“
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

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