Posted in: Biologie, Kultur, Paläontologie 18. November 2013 05:00 Weiter lesen →

In Europa wurde der Wolf zum Hund

Die Domestizierung des Hundes fand vor 18.000 bis 32.000 Jahren in Europa statt. Das belegt eine internationale Studie, für die Forscher aus sieben Ländern das Erbgut von 18 prähistorischen Hunden und Wölfen mit dem von 126 modernen Nachfahren verglichen.

Bisher war strittig, wo Menschen die ersten Hunde hielten. Aufgrund genetischer Beweise gingen viele Wissenschaftler von einer Domestizierung des Hundes vor rund 15.000 Jahren in Ostasien aus. Die ersten hundeartigen Fossilien aus Europa und Sibirien sind aber über 30.000 Jahre alt, ergaben die aktuellen Untersuchungen. Demnach begann die Domestizierung bereits vor 18.000 bis 32.000 Jahren in Europa.

An dem Forschungsprojekt beteiligten sich Wissenschaftler aus Finnland, Belgien, Russland, Spanien, Argentinien, USA und Deutschland. Sie verglichen das Erbgut von Hunden und Wölfen aus Knochen und Zähnen. Proben von 18 prähistorischen Hunden und Wölfen standen jenen von 49 modernen Wölfen und 77 Hunden gegenüber, darunter auch ursprüngliche Rassen wie Dingos und Basenji.

Hund-und-Frauchen_400 Foto: bestshots.it/Fotolia

Grundlage der Studie war das Erbgut der Mitochondrien, Zellorganellen, die neben dem Zellkern eigene Gene besitzen. Die Forscher nutzten die genetischen Daten, um zu bestimmen, wo und wann sich Hunde von Wölfen abgespalten haben. „Ich war verblüfft, wie deutlich herauskam, dass die heute lebenden Hunde alle auf gemeinsame Stammbäume zurückgehen, nämlich vier Abstammungslinien, die alle in Europa ihren Anfang nahmen“, sagt Olaf Thalmann von der Universität Turku in Finnland.

Ein Großteil der Proben von Hunden aus aller Welt ließ sich einer Abstammungslinie zuordnen, die enge Verwandtschaft zu einem prähistorischen Wolf aus dem Kesslerloch zeigt, einer Höhle im Schweizer Kanton Schaffhausen. Die Haltung des Haustiers Hund ging demnach sogar dem Aufkommen der Landwirtschaft voraus und trat noch in der Kultur europäischer Jäger und Sammler auf.

Bestätigt sieht sich auch Liane Giemsch vom Institut für Archäologie und Kulturanthropologie der Universität Bonn. Sie verweist auf Hundeknochen aus dem berühmten „Doppelgrab von Oberkassel“, das von Wissenschaftlern des Landesmuseums Bonn und der Universität Bonn gerade neu bearbeitet wird. In dem Grab wurde ein hundeartiges Tier vor rund 14.700 Jahren zusammen mit einer etwa 20 Jahre alten Frau und einem zirka 40-jährigen Mann bestattet. Im Jahr 1914 entdeckten Steinbrucharbeiter die Skelette an der Rabenlay in Bonn-Oberkassel. Nachweislich sind es die ältesten Belege des modernen Menschen (Homo sapiens) in Deutschland.

„Die gemeinsame Bestattung des Hundes und der Menschen im Doppelgrab von Oberkassel zeugt von einer sehr innigen Beziehung“, sagt Giemsch. Die nun erfolgte Datierung der Domestizierung zeige, dass der eiszeitliche Mensch schon seit Jahrtausenden den Hund als Begleiter nutzte, noch weit bevor andere Tiere wie Kuh, Schwein und Pferd domestiziert wurden. Auch von Israel und Skandinavien sei bekannt, dass es bei steinzeitlichen Jägern und Sammlern zu gemeinsamen Bestattungen von Hunden und Menschen gekommen sei. „Dies zeigt, wie wichtig und wertvoll diese Haustiere für die damalige Bevölkerung waren“, sagt Giemsch.

Die Studie zur Domestizierung des Hundes wurde in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Science“ veröffentlicht.

Forschung: O. Thalmann, B. Shapiro, P. Cui, L. Giemsch, u.a.; in „Science“, 15.11.2013, Vol 342, Issue 6160, pp. 871-874, DOI: 10.1126.1243650

WWW:
Abstract in „Science“

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1 Kommentar zu "In Europa wurde der Wolf zum Hund"

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  1. Kleinmetall sagt:

    Sehr interessant! Eigentlich ging man ja davon aus das unterschiedliche Hunderassen auch aus unterschiedlichen Regionen der Erde stammen.