Posted in: Psychologie, Vermischtes 11. November 2013 18:16 Weiter lesen →

Verliebte sind weniger konzentriert

Grafik zeigt Kernspin-Schnitt durch den Schädel, das Großhirn mit schemenhaften Herzsymbolen gefüllt Liebe macht möglicherweise nicht nur blind, sondern auch unkonzentriert. Dieses Fazit ziehen niederländische Psychologen nach Versuchen mit Frischverliebten. Je stärker diese in ihrem Verliebtsein aufgingen, umso leichter waren sie bei Konzentrationstests abzulenken.

Bilder: Garpenholm und Eyehook.com via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported und Attribution 2.5 Generic)

„Möglicherweise nutzen Verliebte alle ihre geistigen Ressourcen, um an die Liebste oder den Liebsten zu denken“, folgert Henk van Steenbergen von der Universität Leiden. Die Testresultate ließen sich allerdings auch in umgekehrter Richtung erklären, betont der Forscher: „Personen mit einem geringeren Grad kognitiver Kontrolle empfinden vielleicht intensivere Gefühle.“

Van Steenbergen und Kollegen führten ihre Experimente mit 43 jungen Erwachsenen durch, die seit höchstens einem halben Jahr mit ihrem Partner zusammen waren. Alle sollten möglichst schnell Farbwörter erkennen, die mitunter in einer abweichenden Farbe – beispielsweise das Wort „grün“ in roten Buchstaben – oder aber zwischen anderen Farbwörtern auf einem Bildschirm erschienen. Danach füllten sie einen kurzen Fragebogen aus, um die Stärke ihrer Leidenschaft abschätzen zu können.

Erwartungsgemäß erhöhten die gelegentlichen Störreize die mittlere Reaktionszeit der Teilnehmer bei den Tests um knapp 40 bzw. 30 Millisekunden. Dieser Effekt war umso stärker, je intensivere Gefühle die jeweilige Versuchsperson hegte. Bei der Trefferquote war kein solcher Zusammenhang nachweisbar, berichten die Forscher im Fachblatt „Motivation and Emotion“.

Frühere Studien hätten gezeigt, dass Selbstkontrolle ein wichtiger Erfolgsfaktor für langfristige Beziehungen sei, schreiben van Steenbergen und seine Kollegen. Dies umfasse beispielsweise die Fähigkeit, Verlockungen zu widerstehen und dem Partner seine Fehler durchgehen zu lassen. Dagegen könnte zu Beginn einer sich entwickelnden Beziehung sogar ein Zuwenig an Selbstkontrolle wichtig sein, folgern die Psychologen aus ihren Resultaten. Die richtige Balance stelle sich dann im Lauf der Zeit ein – oder auch nicht.

Forschung: Henk van Steenbergen, Guido P. H. Band und Bernhard Hommel, Leiden Institute for Brain and Cognition und Instituut Psychologie, Universiteit Leiden; Sandra J. E. Langeslag, Department of Psychology, University of Maryland, College Park

Veröffentlichung Motivation and Emotion, DOI 10.1007/s11031-013-9380-3

WWW:
Cognitive Psychology, Universität Leiden
Cognitive Tests: Color Reading Interference (Stroop), Eriksen Flanker Test
Passionate Love Scale

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