Posted in: Biologie, Genetik 6. November 2013 08:16 Weiter lesen →

Ein Gen für getarnte Männchen

Fotot zeigt 2 Vögel mit dunkelbraunem bzw. weißem Gefiederkragen, Seite an Seite, den Kopf zum Boden gesenkt Kampfläufer haben nicht nur einen rasanten Namen, die Vögel zeichnen sich auch durch grundverschiedene Typen von Männchen aus. Kanadische und niederländische Forscher haben nun mehr über die Hintergründe dieser männlichen Vielfalt in Erfahrung bringen können. Ein einziges Gen ist demnach dafür verantwortlich, dass manche Kampfläufer-Männchen eher wie Weibchen auftreten – und sich so im Balzwettbewerb die eine oder andere Paarung erschleichen können.

Foto: Zeddammer via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Bei weiblichen Kampfläufern scheint die zugehörige Genvariante dagegen zu Unfruchtbarkeit zu führen, fanden die Forscher um David Lank von der kanadischen Simon-Fraser-Universität und Theunis Piersma vom Königlich Niederländischen Institut für Meeresforschung. Offenbar werde dieser Nachteil durch den Erfolg der klammheimlichen Männchen aufgewogen, folgern die Wissenschaftler im Fachblatt „Biology Letters“.

Lange Zeit waren bei Kampfläufern (Philomachus pugnax) zwei Typen von Männchen bekannt, die sich durch die Färbung ihres Gefiederkragens und durch ein unterschiedlich aggressives Balzverhalten auszeichnen. Tatsächlich existiert noch ein dritter Typ, der so unauffällig ist, dass er erst vor wenigen Jahren überhaupt entdeckt wurde. Diese „Faeder“ sind kleiner als andere Männchen, besitzen kein Prachtgefieder und beteiligen sich auch nicht am Werben um Weibchen. Etwa jedes 100. Kampfläufer-Männchen ist ein Faeder.

Video: Jos Vroegrijk

Versuchsweise schleusten die Forscher 2 Faeder in ein langjähriges Kampfläufer-Zuchtprogramm ein. Faeder bringen demnach je zur Hälfte weitere Faeder bzw. einen der anderen Männchen-Typen hervor, während letztere niemals Faeder zeugen. Auch weibliche Nachkommen von Faedern sind in der Hälfte der Fälle ungewöhnlich klein. Im Rahmen des Zuchtprogramms blieben sie jedoch ohne Nachwuchs. Diese Beobachtungen sprechen für ein einziges, noch nicht identifiziertes Gen mit einer dominanten Faeder-Variante.

„Um einen Polymorphismus aufrechtzuerhalten, müssen alternative Allele langfristig die gleiche Fitness aufweisen“, erläutern Lank, Piersma und Kollegen. Doch während die Faeder-Genvariante den kleinwüchsigen, unauffälligen Männchen eine neue Paarungsnische eröffne, wirke sie sich bei Weibchen offenbar stark nachteilig aus. Der Fall der Kampfläufer biete daher eine einzigartige Gelegenheit, die Evolution geschlechtsabhängig wirkender Genvarianten zu studieren.

Forschung: David B. Lank und Lindsay L. Farrell, Evolutionary Behavioural Ecology Research Group, Simon Fraser University, Burnaby; Theunis Piersma, Afdeling Mariene Ecologie, Koninklijk Nederlands Instituut voor Onderzoek der Zee, ‚t Horntje; und andere

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2013.0653

WWW:
Behavioural Ecology Research Group, Simon Fraser University
Ruff Project
Mariene Ecologie, NIOZ
Kampfläufer
Polymorphismus

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Gene: „Gut“ ist relativ
Vaterschaft unter falscher Flagge

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