Posted in: Biologie, Psychologie 31. Oktober 2013 18:00 Weiter lesen →

Ansteckendes Schwanzwedeln

Foto zeigt zwei mittelgroße Hunde, einander gegenüberstehend, schwanzwedelnd, auf einer grünen Wiese Je nach Stimmungslage wedeln Hunde etwas stärker nach links oder aber nach rechts. Dieses Ungleichgewicht wirkt sich wiederum auf Artgenossen aus, haben italienische Neurowissenschaftler zeigen können. Linkslastiges Wedeln löst bei anderen Hunden demnach eher negative Emotionen aus, rechtslastiges Wedeln dagegen positive.

Foto: Current Biology, Siniscalchi et al.

„Die Richtung des Schwanzwedelns macht tatsächlich einen Unterschied, und zwar in einer Weise, die die Aktivierung der Großhirnhälften widerspiegelt“, erklärt Giorgio Vallortigara von der Universität Trient. Offenbar werde bei dem zuschauenden Hund unwillkürlich eine ähnliche Aktivierung der linken oder rechten Hirnhälfte ausgelöst, so der Forscher: „Das ist schon verblüffend, finde ich.“

Das seltsame Wedel-Ungleichgewicht war der Gruppe um Vallortigara und seinen Kollegen Angelo Quaranta an der Universität Bari bereits vor einigen Jahren aufgefallen. Positive Emotionen, wie sie der Anblick von Herrchen bzw. Frauchen hervorruft, lassen die Rute demnach etwas stärker nach rechts als nach links ausschlagen. Ein sehr dominant auftretender Artgenosse bewirkt dagegen einen stärkeren Ausschlag nach links.

Mithilfe von Pulsmessungen und Verhaltensbeobachtungen an 43 Hunden konnten die Forscher nun Konsequenzen dieser Asymmetrie nachweisen. Der Anblick eines linkslastig wedelnden Hundes lässt das Herz eines Artgenossen bis zu 210 Mal pro Minute schlagen, bei einem rechtslastig wedelnden Hund sind es höchstens 140 Schläge, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Current Biology“. Zudem zieht ein linkslastiges Wedeln 4-mal so viele typische Zeichen von Anspannung oder Angst nach sich wie ein rechtslastiges, ein rechtslastiges Wedeln im Gegenzug mehr Zeichen von Entspannung.

Ein negativer Reiz führe zu einer stärkeren Aktivität in der rechten Gehirnhälfte und damit zu einer stärkeren Aktivierung der Muskeln in der linken Körperhälfte, so Vallortigara weiter. Umgekehrt lägen die Verhältnisse bei einem positiven Reiz. Allein durch das resultierende ungleichmäßige Wedeln könne sich die jeweilige Stimmung offenbar wieder auf andere Hunde übertragen. Vielleicht lasse sich dieser Effekt gezielt nutzen, so der Forscher, etwa beim Tierarzt zur Beruhigung der vierbeinigen Patienten.

Forschung: Marcello Siniscalchi, Rita Lusito und Angelo Quaranta, Dipartimento di Medicina Veterinaria, Università degli Studi di Bari „Aldo Moro“, und Giorgio Vallortigara, Centre for Mind/Brain Sciences, Università degli Studi di Trento, Rovereto

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2013.09.027

WWW:
Centre for Mind/Brain Sciences, Università di Trento
Dipartimento di Medicina Veterinaria, Università di Bari
Hundesprache
Dogs With Left Paw Preferences May Be Different Emotionally

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Muskeln helfen mitfühlen
Hunde wedeln händig

Posted in: Biologie, Psychologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 4,40 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.